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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 1. Abtheilung

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Er  ist  derjenige,  welcher  die  Heirat  stiftet,  die  Hochzeitsgäste  einladet,  die  ganze  Hochzeit
leitet,  Alles  besorgt,  unzählige  Anreden  hält,  Trinksprüche  vorbringt,  Alles  animirt,  in
witzigen  Einfällen  unerschöpflich  ist  und  überhaupt  Alles  aufbietet,  um  unter  den  Hochzeitsgästen ­
  eine  fröhliche  und  heitere  Stimmung  zu  wecken  und  bis  zum  Schluß  zu  erhalten.
Der  ckrnLbn  ist  das  Factotum  der  Hochzeit.  Der  Bräutigam  (Leinek)  wählt  unter  seinen
ledigen  Jugendfreunden  einen  oder  mehrere  Brautführer  (mlüäermi),  die  Braut
(rmvestn)  ebensoviele  Brautjungfern  (äl'uLiek^).
Sonntag  vor  der  Hochzeit  geht  der  ckruLbn  und  ein  inläckoime  mit  einem  Rosmarinzweig ­
  herum,  um  die  Hochzeitsgäste  einzuladen.  Wer  die  Einladung  annimmt,  der  schickt  in
das  Elternhaus  der  Braut  einen  Beitrag  in  die  Küche  (Geflügel,  Butter,  Eier  und  anderes).
Dienstag  früh  morgens  machen  sie  den  Rundweg  von  neuem  und  führen  die  Brautjungfern ­
  in  die  Wohnung  der  Braut.  Die  geladenen  Gäste  versammeln  sich  beim  Bräutigam,
wo  sie  ein  Frühstück  einnehmen,  worauf  der  Bräutigam  vor  seinen  Eltern  niederkniet  und
ihren  Segen  empfängt.  Dann  begeben  sich  alle  in  die  Wohnung  der  Braut.  Ist  die  Braut
aus  einer  anderen  Ortschaft,  so  fahren  die  Gäste  hin  auf  einem  Leiterwagen,  während  der
Bräutigam  und  die  nllüäonoi  zu  Pferde  reiten.  Unterwegs  wird  aus  Pistolen  geschossen
und  die  Weiber  singen  Lieder.
Vor  dem  Hause  der  Braut  angekommen,  finden  sie  die  Thür  verschlossen.  Der
ckruLkn  klopft  an,  Einlaß  begehrend,  worauf  die  Eltern  der  Braut  ihnen  anfthun,  während
sich  die  Braut  mit  den  Weibern  und  Freundinnen  (svntbi)  in  ihre  Kammer  zurückzieht.
Nach  langem  Unterhandeln  tritt  die  Braut  aus  der  Kammer  heraus,  kniet  mit  dem
Bräutigam  vor  ihren  Eltern  nieder  und  empfängt  ihren  Segen.  Bevor  der  Weg  zur  Kirche
angetreten  wird,  übergibt  dieBrautjungser  dem  Bräutigam  einhübsches,künstlich  zusammengelegtes ­
  Taschentuch  als  ein  Geschenk  von  der  Braut,  in  welches  ein  langer,  mit  bunten
Bändern  geschmückter  Rosmarinzweig  eingesteckt  ist,  und  befestigt  ihm  auch  ein  Sträußchen
auf  den  Hut.  Sämmtliche  Hochzeitsgäste  bekommen  ebenfalls  kleine  Rosmarinzweige,  welche
sie  sich  auf  die  Brust  (ins  Knopfloch  oder  ins  Mieder)  stecken.
Nun  begibt  sich  der  Hochzeitszug  zur  Kirche.  Voran  der  äru/bu  mit  Musik,  dann
folgt  die  Braut  mit  dem  Brautführer,  der  Bräutigam  mit  der  Brautjungfer  und  nach
ihnen  die  übrigen  Hochzeitsgäste.  Gewöhnlich  wird  in  die  Kirche  auf  Leiterwagen  gefahren;
ist  dies  der  Fall,  dann  fährt  die  Braut  mit  den  Kranzeljungfern  auf  einem  vierspännigen
Wagen,  während  der  Bräutigam  und  seine  Jugendfreunde  reiten.  Während  der  Fahrt
werfen  die  Weiber  den  Zuschauern  kleine  Kuchen,  sogenannte  nretüc-ü^,  zu  und  sind,  wie
überhaupt  während  der  ganzen  Hochzeit,  im  Singen  und  Jauchzen  unermüdlich.  Nach
der  Trauung  begeben  sich  alle  entweder  ins  Wirthshaus  oder  nach  Hause,  um  dort  die
Einladung  zum  Hochzeitsschmaus  abzuwarteu.
            
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