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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 1. Abtheilung

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dem Händewaschen die „Geheimnißschüssel" (miss, tajnosti) auf den Tisch. Der äruLba 
bringt nämlich eine große, mit einer zweiten zugedeckte Schüssel, stellt sie vor die Braut 
und läßt alle rathen, was darin enthalten ist. Die Gäste rathen hin und her, endlich wird 
die Schüssel aufgedeckt, und zum allgemeinen Ergötzen findet man eine Überraschung: 
rohe Erdäpfel, eine Maus, eine Henne, junge Küchlein und Ähnliches; dies nimmt die 
Braut mit sich in ihren neuen Haushalt. Erwähuenswerth ist auch das „Erbsenwerfen". 
Wenn die Mahlzeit zu Ende geht, beginnen die Frauenzimmer nach den Männern mit 
Erbsen (wohl auch mit Mandeln, Confect u. s. f.) zu werfen, um deren Aufmerksamkeit 
auf sich zu lenken. Die Männer erwiedern das Manöver. Anfangs wirft man mit einer, 
dann mit beiden Händen, dann geht es los wie ein Hagelwetter, so daß schließlich Alles, 
Tische, Stühle, Fußboden, mit Erbsen und Zuckerwerk dicht besäet ist. 
Zum Schlüsse bringt der ckrnLba einen großen Kuchen (bomols, ähnlich dem leoi-ovns 
der Russen), in welchen ein mit allerlei Leckerbissen, Zuckerwerk, Mandeln, Nüssen, Äpfeln 
und dergleichen behängtes Bäumchen eingesteckt ist, und stellt es auf den Tisch vor die 
Braut. Die Weiber und Jungfrauen stimmen ein Lied an, und die Braut muß das 
Bäumchen schütteln, welches so eingerichtet ist, daß ihr eine Wiege oder ein Kindlein zum 
allgemeinen Gelächter herunterfällt. Dann trachtet Jeder etwas von dem Bäumchen zu 
erhaschen, worauf der Kuchen in Stücke geschnitten und unter die Gäste vertheilt wird. 
Nach der Mahlzeit geht die ganze Gesellschaft ins Wirthshaus, voran der ckiuLda 
mit Musik. Dort wird gesungen und getanzt bis Mitternacht. Um Mitternacht wird die 
Braut dem Bräutigam zugeführt: zwei Musikanten, der Bräutigam mit der Braut, der 
ckruLbu mit der Brautjungfer und die weiblichenHochzeitsgäste begeben sich in die Wohnung 
der Braut; nachdem der äruLba die Neuvermählten in das Schlafgemach geführt und 
dasselbe verschlossen hat, kehrt die Gesellschaft unter Gesang ins Wirthshaus zurück, wo 
sie sich bis zum Morgen unterhält. Früh morgens kommt sie mit Musik, um die Braut 
zu wecken, und zieht dann im Dorfe herum, vor jedem Gebäude aufspielend. Mittags 
versammelt sie sich wieder in der Wohnung der Braut, wo sie bewirthet wird. 
Nach dem Mittagsessen kommen die Wagen des Bräutigams, um die Braut und 
ihre Ausstattung wegzuführen. Während nun die Braut von ihren Eltern rührenden 
Abschied nimmt, wird der Hausrath der Braut auf den Wagen aufgeladen, zu unterst die 
Truhen, Kasten, Schränke, der Backtrog u. s. w., darauf die Federbetten und auf diese zu 
oberst setzt sich ein altes Weib mit einem Spinnrad und Spinnrocken. Die Braut sitzt mit 
ihren Freundinnen auf einem besonderen Wagen, vor welchen zwei bis sechs Pferde 
eingespannt sind. Dazu werden die schönsten Rosse genommen und mit rotheu, in Mähne 
und Schweif eingeflochtenen Bändern geziert. Die männlichen Hochzeitsgäste fahren 
auf einem besonderen Wagen oder reiten mit dem Bräutigam. Die Musikanten sitzen
	        
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