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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 1. Abtheilung

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der Ohnearm wirft nach ihm" rc. Das Mädel hat einen zerrissenen Roch der Bursch hat 
eine Jacke, an der die Ärmel fehlen, aber das thut ihrem Frohsinn keinen Eintrag; wenn 
nur das Mädel hübsch ist und der Bursch lustig: „Ich Hab' mir in Prag ein Haus gekauft, 
ich weiß nur nicht welches." Jenseits der Grenze dieses anständigen Muthwillens und 
Humors liegt das Genre von losen Burschenliedern, denen jedes Prädicat, nur nicht das 
der Salonfähigkeit beigelegt werden kann und von denen hier nur bemerkt werden soll, 
daß es reichhaltiger ist als zu wünschen wäre. Doch sind sie als Ab- und Ausartungen 
anzusehen und gehören wohl insgesammt der neueren und neuesten Zeit an. 
Einen wohlthuenden Gegensatz zu diesen grobkörnigen, zum Theil wirklich nnfläthigen 
Ergüssen zügelloser Laune bilden Kundgebungen von solcher Zartheit der Empfindung, 
daß die Knnstpoesie kaum Schöneres aufzuweisen hat. Denn das echte Volkslied ist keusch; 
kommen hier und da sinnliche Lust, Verirrungen darin vor, so werden sie, wie in den 
zahlreichen Braut- und Hochzeitliedern, nur wie halb verschämt gestreift, ohne lüstern 
dabei zu verweilen. Das Mädchen, dessen Liebhaber weit weg von ihr muß, fragt: „Ehrbar 
keit, ach Ehrbarkeit, wo nehmen dich nur die Leute her?! Im Garten wächst du nicht, sie 
säen dich nicht am Feld." 
Aber solche verhüllte Lascivitäten — wenn man sie so nennen will — kommen 
nur selten vor, herrschend ist die reine, die treue Liebe. Wie rührend ist die Geschichte von 
Hermann und Dorothea (kUrirmn a Oorotiöüa), die zuletzt in einem Grabe bestattet 
werden, wo sie liegen „wie Bruder und Schwester", oder das kurze Ende der Liebenden, 
die im Walde von einem fallenden Baume getödtet werden: 
Wohl hat der Baum gethan, 
Daß er beide traf so schwer — 
Wird keiner um den andern 
In Klagen weinen mehr! 
Wie innig fühlt das Mädchen füt ihren in den Krieg fortgezogenen Geliebten: 
Lasse ihn so oftmal grüßen, 
Als hier Gräserhalme sprießen. 
Send' so oft ihm meinen Segen, 
Als es Tröpflein gibt im Regen. 
Was hat sie um seinetwillen schon ausgestanden, was hat sie noch auszustehen! 
„Aber für dich, mein Geliebter, trage ich es gern!" Sie überwindet ihre mädchenhafte 
Scheu, wenn er sein Roß besteigen will: „Seit ich lebe, mein Allerliebster, fürchte ich mich 
vor dem Pferde, für dich, mein liebes Herz, halte ich es gerne." Wie rührend sind die 
Wiegenlieder: „Schlaf, mein Herzchen, schlaf, um die ganze Welt gab' ich dich nicht her, 
schlaf mit dem Herzjesnlein, schlaf mit den Engelein!" Und die elternlosen Waisen! 
Der Vater ist gestorben, die Mutter folgt ihm nach, ihre Kinder wehklagen auf dem
	        
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