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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 1. Abtheilung

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Ehe  noch  Sembera  seine  Grundzüge  veröffentlichte,  erschien  ein  neuer  Mitarbeiter
auf  demselben  Gebiete  in  Böhmen  —  Josef  Jirecek.  Wie  Sembera  in  Hohenmauth
geboren  und  am  Gymnasium  in  Leitomischl  ausgebildet,  notirte  er  mit  Beihilfe  Anderer
die  Eigenthümlichkeiten  dieses  Gebietes,  welche  er  sodann  in  einer  Abhandlung  bearbeitete.
So  entstand  koärooi  vzwlloärnelr  Oeati  im  Musejnik  (1863).  Er  theilte  den  Stoff
in  Lautlehre,  Formlehre  und  Wörterbuch.  Die  Abgrenzung  ist  nur  annähernd,  so  wie
auch  das  Material  nur  das  Auffallendste  umfaßt.  Eine  historische  Beschreibung  der  Entwicklung ­
  der  Schriftsprache  bildet  das  Vorwort.  Durch  diese  Arbeit  wurde  Josef
Kouble  zum  Sammeln  der  Eigenthümlichkeiten  der  nordböhmischen  Mundart  angeregt.
?oäroci  ssvornicll  Oeelr  (Musejnik  1864)  wurde  von  ihm  sorgfältig  nach  Jireceks
Muster  bearbeitet  und  enthält  werthvolles  Material  für  cechische  Dialectologie.  Im
Jahre  1868  erschien  0  xockroei  äoncllebsksin  von  V.  Kotsmich,  zu  welchem  das
Material  im  Gebiete  der  ehemaligen  Oouälobi  gesammelt  wurde;  Kotsmich  führt  uns
in  ein  Sprachgebiet,  wo  bis  in  unsere  Zeit  eine  feine  und  reine  Aussprache  zu  finden
ist.  I.  Lego,  B.  Krabice  u.  A.  m.,  hauptsächlich  aber  Fr.  Kott  in  seinem  81ovrL
068K0NLIN6L^  haben  eine  Menge  von  Wörtern  und  Phrasen  verschiedener  Mundarten
gesammelt.
In  der  neuesten  Zeit  versuchte  I.  Hruska  in  0  lliäslrostovi  olloäsirsin  (1891)
die  chodische  Mundart  zu  bearbeiten.  Sehr  wichtiges  Sprachmaterial  findet  man  auch
in  lick,  dem  neuen,  der  böhmischen  Folkloristik  gewidmeten  Organ.  Eine  partielle
wissenschaftliche  Bearbeitung  dieses  verschiedenartigen  Materials  der  cechisch-slovakischen
Dialecte  findet  man  in  Aufsätzen  von  V.  I.  Dusek.
Man  unterscheidet  gegenwärtig  den  mittelböhmischen,  westböhmischen,südböhmischen,
ostböhmischen  und  den  nordböhmischen  Dialect.  Jeder  der  genannten  Dialecte  bildet
wieder  eigentlich  eine  Gruppe  von  llnterdialecten,  die  von  dem  Gemeinschaftlichen  mehr
und  minder  Abweichungen  aufweisen  und  sich  wellenartig  verbreiten.
Der  mittelböhmische  Dialect  liegt  der  cechischen  Schriftsprache  zu  Grunde  und
war  einst  auf  die  eigentliche  Mitte  von  Böhmen  beschränkt.  Im  Laufe  der  Zeit  verdrängte
er  die  angrenzenden  Dialecte  und  gewann  einen  immer  größeren  Raum,  denn  der  Einfluß
der  Hauptstadt  und  der  Verkehr  mit  ihr  waren  von  großem  Gewicht.  Nur  dadurch  kann
man  sich  erklären,  wieso  die  mittelböhmische  Mundart  mit  kleinen  Abweichungen  den
größten  Theil  von  Böhmen  occupirt,  so  daß  man  die  Grenze  ungefähr  folgendermaßen
ziehen  kann:  von  Weißwasser  über  Jungbnnzlau,  Krinec,  Neubydzov,  Prelouc,  Deutschbrod
und  längst  der  böhmischen  Grenze  —  die  mährische  Nachbarschaft  bei  Seite  lassend
gegen  Neuhaus,  dann  westlich  Moldauthein,  wo  die  Moldau  eine  Grenze  zwischen  diesem
und  dem  südwestlichen  Dialect  bildet.  Von  da  läuft  sie  in  einem  großen  Bogen  nordwestlich
            
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