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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 1. Abtheilung

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Zahlreiche  Straßen  erleichtern  den  Verkehr  und  vermitteln  den  bequemen  Genuß
der  Landschaft.  Auch  ist  das  Land  überall  von  Bahnen  durchschnitten,  von  denen  fast  jede
ihr  Tunnel  hat  oder  durch  tiefe  Einschnitte,  kühne  Brücken,  auffällige  Krümmungen  und
Serpentinen,  Hochdämme  und  Viaducte  dem  Reisenden  eine  willkommene  Abwechslung
bietet.  Ja  am  Fuße  der  Sudeten  schlängelt  sich  die  Eisenbahn  um  das  Gebirge  gleich  einer
Guirlande,  welche,  in  Wichstadtl,  Nachod,  Parschnitz,  Trautenau,  Pelsdorf,  Semil  und
Reichenberg  festgeheftet,  die  Ranken  und  Ausläufer  ihres  Schienenstranges  theils  durch
altbekannte  Gebirgspässe  nach  Schlesien  entsendet,  theils  in  Freiheit,  Hohenelbe,  Tannwald ­
  und  Gablonz  endigen  läßt.
Ein  arbeitsames  Volk  müht  sich  in  diesem  herrlichen  Lande  theils  auf  den  weiten
Feldfluren,  theils  in  der  Hausindustrie  und  in  den  Fabriken  um  seinen  Lebensunterhalt.
Im  Flachlande,  wo  der  Mensch  unmittelbar  um  den  Ertrag  der  Erde  wirbt,  lebt  er  auch
einen  größeren  Theil  des  Jahres  im  Freien.  Je  näher  aber  dem  Gebirge,  desto  mehr
ziehen  sich  die  Menschen  bei  der  Arbeit  hinter  die  vier  Wände  zurück,  desto  näher  rücken
sie  in  den  Häusern  und  Fabriken  zusammen.  Überall  rasselt  daher  hinter  den  kleinen
Fenstern  der  graubedachten  Holzhütten  der  Webstnhl  oder  es  saust  die  Drehbank  oder  cs
klappert  die  Walke  um  die  Wette  mit  der  Wirkmaschine  und  dem  ächzenden  Schleifzenge.
Und  überall,  wo  es  ein  Wässerlein  gibt,  rauscht  dort  die  Turbine  oder  qualmt  der  Schlot,
und  in  den  weiten  Arbeitsränmen  ächzen  die  nimmermüden  Maschinen  im  Dienste  der
Industrie.  Hier  gestalten  sich  die  Märchcnwunder  des  Glases,  hier  arbeitet  Spindel  und
Webstnhl,  hier  wird  das  Holz  geflochten  und  gewebt  oder  geschnitzt,  geschnitten  und
gedrechselt  oder  zu  Papierstoff  zerfasert.  Auch  der  Stein  wird  gesägt,  geschliffen  und
geschnitten,  daß  er  wie  ein  Stern  glänzt.  In  der  ebeneren  Landschaft  aber,  da  ragen  und
qualmen  die  Schlote  gewaltiger  Bauten,  in  denen  das  Getreide  vermahlen  oder  der  erdgeborene
  Zucker  verkocht  und  ausgegohren  wird.
Und  sonderbar,  die  Dörfer  im  Flachlande  sind  zwar  klein  und  menschenarm,  aber
die  Häuser  selbst  stehen  doch  eng  beisammen.  Dagegen  in  den  Thälern  und  an  den  Hängen
der  Gebirge  liegen  die  Wohnungen  zerstreut,  meist  den  Bach  oder  die  Au  eutlaug,  ein
jedes  Haus  die  Stirn  nach  einer  anderen  Weltgegend  gekehrt.  Und  doch  sind  hier  die
Dorfschaften  groß  und  volkreich,  die  Gebäude  oft  sehr  ansehnlich,  so  daß  der  Fremde  eher
in  Städte  als  in  Dörfer  zu  kommen  glaubt.  Im  Hochgebirge  endlich  sind  die  Bauten  ganz
vereinsamt,  und  selbst  wenn  sie  zu  Dorfschaften  gehören,  sind  sie  doch  weit  über  die  grünen
Berglehnen  verstreut.
Der  nördlichste  Theil  von  Böhmen  führt  den  Namen  Niederland.  Dasselbe
umfaßt  die  Bezirkshauptmannschaften  Rnmbnrg  und  Schlnckenan  und  reicht  im  Süden  bis
zur  Krenzbuche  (535  Meter).  In  der  Nähe  ragt  der  Kaltenberg  (731  Meter)  wie  ein
            
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