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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 1. Abtheilung

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Bauernhaus und Hof dürfen nicht gedankenlos verstädtert werden. Sie verlangen jederzeit 
ihren eigenen Stil. Er wird sich, der Neuzeit angemessen, wenn durch entsprechend dafür 
vorgebildete Baumeister auch ans dem Lande darauf hingewirkt wird, einfach den Haupt 
bedürfnissen des Betriebes und den Orts- wie Zeitverhältnissen folgend, bis zu einem 
gewissen Grade auch unschwer finden lassen. Sind nur einmal für die verschiedenen Haupt 
gebiete: Getreideland der Ebene, Hopfenland und Obstgebiet, Berg- und Waldland, einige 
wohldurchdachte, möglichst zweckmäßige, allgemein gefällige Muster gegeben und würde 
einigermaßen planvoll das Interesse hierfür bei Baumeistern und Baubestellern gefördert, 
so könnte bald Wesentliches geschehen, um die jetzige unbefriedigende, vielfach schädliche 
gedankenlose Bauführung der bäuerlichen Wohnstätten noch rechtzeitig zu beseitigen 
und wieder bessere, der neuen Zeit würdige, zweckmäßigere und auch wieder volks 
charakteristischere Wohnstätten für Bauer und Bürger zu schaffen! 
Volkssitten und Bräuche. Böhmen ist reicher als die meisten übrigen Länder an 
Volkssitten, Bräuchen und Liedern; denn zu den zahlreichen allgemein-deutschen Volks 
übungen, die hier infolge der nahen Nachbarschaft Deutschlands, der vielfältigen 
Wechselbeziehungen und der engen Stammesverwandtschaft mit den germanischen Haupt- 
stümmen Eingang und Pflege fanden, kamen im Laufe der Zeiten auch noch manche 
landes- und stammeseigene des deutschen Volkes in Böhmen selbst. Der ungewöhnliche 
Reichthum des Stoffes bringt es mit sich, daß hier nur das Wesentlichere übersichtlich 
erwähnt werden kann. Es sind nun der Reihe nach die Gebräuche und Feste aus dem 
Familienverhültniß, sodann das Volksleben im Naturjahr und endlich die Feste 
und Sitten mit geschichtlichem und cultnrgeschichtlichem Ursprung und Untergrund 
in Betracht zu ziehen. 
Im Mittelpunkt des Familienfestlebens stand von altersher naturgemäß das so 
wichtige Familienereigniß der Hochzeit. Hier entwickelten Gemüth und Phantasie des 
regsamen Volkes einen fast unerschöpflich scheinenden Reichthum an sinnbildlichen und 
ausschmückenden Gebräuchen, die ganze Fülle des erfrischenden, gesundkräftigen Humors 
und eine große Begabung zur poetisch-symbolischen, volksreligiösen Verklärung, wie dies 
nur noch bei den zwei Hanptfesten des Natur- und Kirchenjahrs, dem Weihnachts- und 
Osterfest, zu beobachten ist. Am reichsten ansgestaltet und bis in die Neuzeit verhältniß- 
mäßig auch am besten erhalten haben sich die volksthümlichen Hochzeitsbräuche im oberen 
Egerland. Eine Egerländer Bauernhochzeit in der älteren vollkommenen Form zählte 
seit lange»: weithin als sehenswerthe Besonderheit und erfreute sich eines solchen Rufes, 
daß auf Wunsch und zu Ehren regierender Fürsten, welche öfter die berühmten Curorte 
Deutschböhmens aufsuchten, zuweilen eine solche veranstaltet, ja einstmals auch vom Egerer 
Stadtniagistrat aus Auslaß der Krönung Kaiser Ferdinands demselben eine Egerländer
	        
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