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Stadt arg bedroht hatte, jedoch infolge der Schlacht an der Katzbach diese Truppen
(größtentheils polnisches Hilfsvolk) plötzlich nach Sachsen werfen und das „Franzosen
lager" bei Panlsdorf-Rosenthal abbrechen mußte. Auf dem Schulberg, wo das befestigte
Lager war, wurde seitdem am Gedenktag ein großes Freudenfener entzündet und am
Vorabend das sogenannte „Gaikeln" geübt. Auch der Siegesgedenktag an die Schlacht
bei Kulm (29. August 1813) wurde in der Teplitzer Gegend im Volke lauge gefeiert.
Geschichtliche Gedenk- und Gelöbnißfeste wurden (meist in kirchlicher Form) ehemals
auch begangen in Aussig an der Elbe, Elbogen an der Eger, Prag (Schwedenfest) und
anderen Orten. Erwähnt sei auch noch das sogenannte „Quellenauffindungsfest",
das in der Badestadt Teplitz alljährlich Ende August zur Erinnerung an die Entdeckung
der heißen Heilquelle (im Jahre 762) mit besonderer Feierlichkeit veranstaltet wird. Auch
in Karlsbad und den anderen Curorten wird der Beginn der Curzeit alljährlich mit der
feierlichen „Brunnenweihe" u. s. w. festlich begangen.
Volkslieder und Volkssagen. Für eine günstige Entwicklung des Volksliedes
und der Volkssage sind in Deutschböhmen seit langem alle Grundbedingungen vorhanden.
Die Bevölkerung selbst ist zum größeren Theil (Süd-, West- und Nordwestböhmeu)
den sangesfreudigsten deutschen Hauptstämmen entsprossen, eine sehr abwechslungs
reiche, anregende Natur, reichgegliederte Gebirge, anmuthige Hügelreihen, einsame,
hochragende Bergkegel, romantische Felsbildungen und Naturmerkwürdigkeiten, dazwischen
liebliche Thäler, herrliche Wälder und Auen, viel lebendiges Wasser, stolze Flüsse,
stattliche, seeartige Riesenteiche, ein an Abstufungen reiches, in den Hauptgauen besonders
günstiges Klima, das durch seine sinnenfälligen Gegensätze und den mannigfachen
Wechsel in den Naturerscheinungen Geist und Gemüth zu vielfältigen Äußerungen und
zur poetischen Naturbetrachtung hinleitet, die Mannigfaltigkeit und Lebhaftigkeit des
geistigen Verkehrs mit den Grenzgebieten, endlich die so reiche und theilweise große
geschichtliche Vergangenheit -— alle diese Umstände wirkten zusammen, den lyrischen und
epischen Volksgesang in den Hauptgebieten Deutschböhmens gedeihen zu lassen. In den
fruchtbaren Gauen ander Eger und Nieder-Elbe des Landes förderte eine gewisse überlieferte
Wohlhabenheit, Besitz-, Heimats- und Lebensfreude, in den weniger ertragreichen Gebirgs
gegenden, insbesondere im Erzgebirge und Böhmerwalde, eine äußere oder häusliche
Beschäftigung (Hirten, Holzhauer, Spitzenklöppeln, Holzschnitzerei, Korbflechterei, Flachs
zurichten, Spinnen u. dgl.), welche Gesang und Unterhaltung während der Arbeit
ermöglicht, ja begünstigt, die reichere Pflege des Volksgesanges. Seine geschichtlichen
Spuren reichen weit in die Vergangenheit zurück. Nach dem Bericht des ältesten Geschichts
schreibers des Landes (Cosmas) wurde bereits im Jahre 973 bei dem feierlichen Einzug
des ersten Bischofs von Prag ein deutscher „Leich" gesungen. Auch für die alte deutsche