erzählt sie, wie sie morgens bei schönen: Sonnenschein an den prangenden Apfelbanm
gekommen; ein Wurm sei von dem Ast gehangen, der habe gar freundlich gegrüßt und
gesagt: „Hast du die rothe Frucht da schon gekostet? Ei iß davon, du wirst nicht sterben,
vielmehr ewig leben und soviel sein als Gott selber!" Das habe sie sich gemerkt und
rathe nun, von der Frucht zu essen! Adam macht noch Einwendungen — bricht aber
dann einen der Äpfel, genießt davon, lobt ihn über die Maßen — und gibt auch der
Eva davon zu kosten; da ist er plötzlich einer Ohnmacht nahe, indem sich Alles vor seinen
Augen ändert. „O unglückseliger Tag," ruft er, „der Teufel hat uns ganz betrogen!"
Bei diesen Worten flog die Thüre nach der Vorflnr auf und mit einem grimmigen
Getöse schoß der Satan herein, verhöhnte die Unglücklichen, schwang ein rothangestrichenes
Schwert und sang:
„Nun sollt ihr zittern und erblassen,
In den Tod geh'n und das Paradies verlassen!"
Adam und Eva knickten zusammen und stimmten ein Schlußklagelied an; es klang von
arger Reue und zählte die Mühseligkeiten auf, unter denen sie fortan leben und ihr Brot
erwerben müßten! Das Spiel war zu Ende. Adam, Eva und der Teufel, aus der Rolle
fallend, sagten jetzt in gewöhnlichem Tone, demüthig: „Bitten schön auch um was!"
Die Mutter machte eine Gabe zurecht, der Vater aber wendete sich vom Ecktisch
nach der Thür und sagte: „Wo zu Haus, ihr Leut'?" Das erste Ehepaar nannte einen
Ort der Oberpfalz. „Merk's, merk's," erwiderte der Vater, „sind wackere Leut', auch
lutherische dort!" „Wir sind katholisch," versicherten Adam und Eva — und auch
der Teufel — treuherzig bescheiden. — Der Vater lachte und sagte zu letzterem:
„Das ist dein Glück, so kannst du auch noch einmal durch den Schornstein zur ewigen
Seligkeit auffahr'n!"
Ein Volksschauspiel (Höritzer Passionsspiel) im Böhmerwalde. Daß im
Deutschen des Böhmerwaldes eine sinnige Anlage zu poetischem Auffassen und Formen
des Lebens vorhanden ist, davon überzeugen uns Sitten und Gebräuche, Sagen und
Märchen, besondere Ereignisse des Volkslebens; im „Adam- und Evaspiel" z. B. finden
wir sogar die Versnchform dramatischer Gestaltung. Von dieser Versuchform im Kleinen
bis zur großen Ausgestaltung des menschlichen Sündenfalls und der Tragödie des Lebens
Jesu in biblischen Bühnenbildern hat uns im Sommer 1893 der deutsche Bvhmerwald
einen schönen und markvollen Beweis geliefert: in dem Passionsspiele zu Hvritz. Wie
der Volksgeist an größeren Werken langsam, aber stetig bildet, so hat auch dieses Passions
spiel bereits ein historisches Alter, ohne bisher über die heimatliche Grenze hinaus bedeut
samer zu wirken. Erst in diesem Jahre (1893) ist das Passionsspiel, textlich umgestaltet
und durch volle Theaterausstattnng würdig zur Erscheinung gebracht, mit jenem Erfolg