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In den nördlichsten Bezirken behauptet die Wallfahrt nach dem „heiligen Berg" in
Böhmen die vornehmste Stelle. Sie findet jährlich kurz vor den Pfingstfeiertagen statt
und dauert drei Tage. Die Versprechungen zu dieser Wallfahrt erfolgen in bedrängnißvollen
Lagen, bei Krankheiten, in Kindesnöthen geängstigter Frauen; die Formel lautet gewöhnlich:
„Heiliges, rothgoldiges Herrgottsmutterl, hilf uns in unserer Noth! Mach' uns (Mann
oder Kind) gesund, so wallfahrt' ich zu Dir nach Gottes Gebot!" Als Wallfahrtsgeschenke
werden gewöhnlich heimgebracht: grellgemalte Heiligenbilder (Bilgla), bleierne gefärbte
Heilige (Halän), Kelche, Monstranzen und sonstiges Altargeräth, Fingerringlein (natürlich
Alles geweiht), und Jung und Alt halten die Dinge hoch in Ehren. Außer zur Mutter
Gottes vom heiligen Berge hat man noch vielseitiges Vertrauen zu anderen wallfahrtsbeliebten
Gottesmüttern. Ein Beispiel davon gibt die Segensprechung über ein Auge, in
das ein Gegenstand gefallen ist. Erst wird das geschlossene Augenlid mit Speichel befeuchtet
(in Erinnerung an das Verfahren Christi bei einer Augenheilung), dann die Spitze des
rechten Zeigefingers leise auf dem Augenlid herumgeführt unter dem Segenssprnch:
„Liebe Frau vom Hohen Bogen,'
Ist mir was ins Aug' geflogen;
Liebe Frau in Passan's
Thu' mir's gütig wieder heraus;
Liebe Frau vom Heiligen Blut,2
Mach' du mir mein Aug' wieder gut!"
Hexentusch, Gespensterbann, Pfingstwettrennen. Seltsam genug „nistelt"
im Volksgemüth knapp neben der Frömmigkeit noch arger Aberglaube und macht sich zu
gewissen Zeiten des Jahres bemerkbar, namentlich in den dem Pfingstfest unmittelbar
vorhergehenden Tagen. Der „Hexentusch" und der Zauberbrauch am Abend vor dem
Pfingstsonntag sind bezeichnend für diese Stimmung des Volksgemüths. Zum „Hexentusch"
bewaffnen sich Männer, Burschen und Knaben mit großen und kleinen Peitschen
und knallen gegen Abend bis nach Eintritt der Dämmerung vor den Häusern, namentlich
vor solchen, in welchen Weiber von üblem Rufe wohnen; dieses Knallen gleicht oft dem
Krachen der Gewehre, es soll Ort und Umgebung von bösen Geistern reinigen. Das
Innere der Häuser selbst wird vor Hexen und Gespenstern dadurch bewahrt, daß am
Abend vor dem Pfingstsonntag vor den Hausthnren frischer Rasen unter Segenssprüchen
gelegt wird. — Pfingsten, das Fest der Freude selbst, pflegt selten durch einen Brauch
besonders gefeiert zu werden; nur der Pfingstmontag bringt in manche Gegenden das
Wettrennen der Bauernbursche auf auserlesenen und für dieses Fest besonders gepflegten
Pferden. Wochenlang dauern die Vorbereitungen zu diesem Fest; die Pflege der Pferde,
* Bergwand in Baiern. ? Klattau.
Böhmen. 37