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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 1. Abtheilung

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Probereiten, Besprechungen der Bauernsöhne nehmen Zeit und Mühe fast ausnahmslos 
in Anspruch. Wer dem festlichen Wettrennen einmal beigewohnt hat, der begreift den 
Eifer der Vorbereitung und die Aufregung einer weiten Gegend, die den Schauplatz des 
Festes bietet. Alle Leidenschaften, die ein großes, glänzendes und spannendes Fest in den 
Gemüthern des Volks erregen kann, sind beim Wettrennen in Heller Bewegung; es wird 
gejnbelt, gewettet, gestritten und bei jedem geringsten Anlaß die Luft mit wildem Gelächter 
erschüttert. Dazu ist auch die lustige Person ersehen, ein Wettreiter auf der elendesten 
Märe, die in Stroh so eingewickelt ist, daß sie mit dem Hintertheil beim Wettritt voran- 
znsprengen scheint. Es ist schade, daß der Raum mangelt, dieses prächtige Volksfest 
ausführlich zu beschreiben; wir wollen wenigstens die Reime hersetzen, welche das Volk 
sich selbst zusammengestellt hat und beim Wettlauf lebhaft zum Besten gibt: 
Land is, wenn d' Hrössa schei gströckt, 
Krod aß wenn's Nochtgoid Heid gschröckt, 
Ähont und pfalgschwing hi fluignt 
Und eng d' Hröda sö füarassö buignt; 
Wei eng do's Nosnloh schnurrt! 
Wei eng dös Teuflsroß Pfurrt! 
Wei sö da Hröda hoisarö keart! 
Gschwinka fnrö sa Rösserl meart! 
(Schön ist's, wenn die Pferde schön gestreckt, 
Gleichwie vom Nachtkobold geschreckt, 
Einhau'n und pfeilschnell herfliegen 
Und sich die Reiter vorwärts biegen; 
Wie euch da 's Nasenloch schnurrt! 
Wie euch das Teufelsroß pfurrt! 
Wie da der Reiter, heiser vom Schrei'n, 
Schneller zwingt 's Rössel zu sein!) 
Die Jahreszeiten sind es, welche dem Volksgemüth die Eigenart der Bildung von 
Sitten und Gebräuchen anfprägen, selbst bei jenen festlichen Anlässen, die, wie Verlobungen 
und Hochzeiten, zu jeder Jahreszeit ihre übliche Feier finden. Und da ist es bemerkenswert!), 
daß der Winter, diese arge Jahreszeit, die denMenschen in den Schutzraum derWohnungen 
znsammendrängt, nahezu am reichsten ist an Sitten und Gebräuchen, die durch Munterkeit 
und Frohsinn das bedrängte Leben vor trauriger Erstarrung behüten. Da sind die „Spinn 
stuben" mit ihren Geschichten, Gesängen und oft tollen Ergötzungen; die Abende des 
„Federnschleißens", die an heiterem Treiben hinter den Spinnstuben nicht zurückstehen; 
da kommt das bunte Leben eines Dorffaschings mit seinen grausigen Verkleidungen, 
lärmenden Umzügen, lustig-schreckhaften Überraschungen; die „Bischofs-Umgänge" am 
Nikolo-Abend mit ihren Kinderschrecken und Bescherungen, wie das Fest des „Schönheit- 
und Stärketrinkens", das die Hofbesitzer ihren erwachsenen Kindern und Ehhalten (Knechten 
und Mägden) geben; den „Drescherschmaus" nicht zu vergessen, der am Abend desjenigen 
Tages (im December) zum Besten gegeben wird, an welchem die letzten Garben der Ernte 
nusgedroschen werden. Man sieht, der Winter hat seine Freuden in großer Zahl, die noch 
bereichert werden an Abenden, die nur geselligen Zusammenkünften dienen und Anlaß 
geben zu singen, zu erzählen von Kriegsereignissen, Räuber- und Gespenstergeschichten, 
die schrecken, entsetzen, erschauern machen, aber doch vergnügen, da sie vorüber sind
	        
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