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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 1. Abtheilung

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die  goldene  Hand  und  wirft  Fluten  von  Obst  und  guten  Sachen  herein,  nach  denen  die
Kinder  mit  Jubelrnf  stürzen  und  nach  Möglichkeit  viel  zu  erhaschen  suchen!  Dies  ist  Christ'
kindleins  Anmelden;  um  Mitternacht  folgt  dann  die  Christbescherung.
Kommt  das  Frühjahr,  sproßt  es  auf  Feldern  und  Wiesen,  treiben  die  Bäume
Blätter  und  Blüten,  da  bricht  auch  das  Volksleben  in  neuen  Bildungen  aus.  Die
„Maibäume"  werden  anfgerichtet  —  junge  Fichtenstamme,  die  entästet  und  abgeschält
werden  bis  zum  Wipfel,  dessen  Äste  und  Zweige  mit  bunten  Bändern,  Festgewinden  und
Kunstblumen  geschmückt  werden;  sie  pflegen  mit  erstaunlichem  Geschick  durch  die  höchsten
Dächer  »ach  den  Bodenräumen  eingesenkt  und  mit  Stricken  befestigt  zu  werden;  so  künden
sie  wochenlang  aller  Welt  an,  daß  einer  heiratsfähigen  Tochter  des  Hauses  von  einem
Burschen  öffentlich  gehuldigt  werde.  —  In  die  Zeit  der  Maibäume  füllt  die  Sitte  der
„Hornfeile".  Die  Heerden  sollen  zum  ersten  Male  auf  Brachen  oder  Gemeindeweide»
getrieben  werden,  wobei  es  zu  großen  Kümpfen  der  gehörnten  Hausthiere  kommt.  Um  die
Gefahr  vieler  und  bedenklicher  Verwundungen  zu  beseitigen,  geht  der  Hirte  vorher  von
Haus  zu  Haus  und  feilt  die  über  Herbst  und  Winter  zu  scharf  ausgewachsenen  Hörnerspitzen ­
  ab,  natürlich  unter  üblichen,  dem  gläubigen  Vertrauen  entsprechenden  frommen
Sprüchen.  So  spricht  der  Hirt  in  einen  Stall  tretend  und  das  Haupt  entblößend:
„Pfeit's  Gott!  ös  Kalwla,  Öxla,  Rößla  ollö,
Ös  Haißla,  Schaffla,  wei's  dv  san,
Wenn  Abba  scho'ri  wollt,  strof  den  Lollö,
Mia  wißn  o,  daß  Leit'  gean  nvdö  san!"
(B'hüt'  Gott!  ihr  Kälber,  öchslein,  Rößlein  alle,
Ihr  Füllen,  Schäslein,  wie's  da  sind  —
Wenn  Jemand  schaden  wollt',  so  straf'  den  Lümmel,
Wir  wissen  ja,  daß  d'  Leut'  gern  neidig  sind.)
Am  1.  Mai  folgt  dann  der  erste  Austrieb  der  Thiere  unter  feierlicher,  lärmender
Bewegung  des  Dorfes.  Das  Läuten  der  Halsglocken  und  Klingen  der  Rollen  (blecherner
Kugeln  mit  runden  Steinen  im  Innern)  erfüllt  die  Luft,  vermengt  mit  lustigem  Brüllen,
Blöken  und  Meckern  der  Thiere,  zwischen  denen  Hausväter,  Mütter,  Knechte  und  Mägde
Aufsicht  führend  eine  Strecke  weit  mitgehen.  Sie  sind  mit  „geweihten  Ruthen"  bewaffnet,
die  aus  Birkengerteu  bestehen,  verbunden  mit  am  Palmsonntag  geweihten  Palmzweigen;
diesen  Ruthen  wird  eine  wunderbare  Kraft  zugeschrieben,  ein  Hieb  damit  schützt  ein  Thier
das  ganze  Jahr  vor  Verwundung.  Am  1.  Mai  schon  gerathen  die  Gemeindestiere
(Bummeln),  gewöhnlich  zwei  gewaltige  Recken  ihrer  Art,  an  einander;  das  gibt  ein  Schauspiel, ­
  das  nicht  früher  verlassen  wird,  als  bis  einer  der  Stiere  Sieger  ist.  Diesem  wird  dann
laut  gehuldigt  und  Niemand  ist  stolzer  auf  diesen  Sieg  als  der  Hofbesitzer,  der  verpflichtet
ist,  den  Gemeindestier  während  des  laufenden  Jahres  auf  eigene  Kosten  zu  erhalten.
            
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