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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 1. Abtheilung

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Die  Eltern  der  Braut  folgen  geraume  Zeit  später  nach.  Von  allen  Seiten  des
Dorfes  strömen  Zuschauer  heran.  Die  Burschen,  welche  mit  der  abziehenden  jungen
Hausfrau  ausgewachsen  sind,  wollen  anzeigen,  wie  ungern  sie  die  Jugendfreundin  verlieren,
und  sperren  am  Ende  des  Dorfes  durch  aufgehüufte  Gegenstände  den  Fahrweg.  Kommt
nun  der  Kammerwagen  bis  zu  dieser  Stelle,  so  erlegt  der  Pferdelenker  ein  Stück  Geld,
das  die  junge  Hausfrau  ansehnlich  vermehrt;  darauf  wird  die  Sperre  weggeräumt  und
die  Burschen  begleiten  die  Jugendfreundin  eine  Strecke.
Auf  dem  Wege  des  festlichen  Zuges  müssen  gewisse  Sitten  beobachtet  werden.  Hört
man  zum  Beispiel  zum  ersten  Mal  einen  Kukuk  rufen,  so  greift  Jedermann  in  den  Sack
und  rührt  das  dort  befindliche  Geld  ans  zum  Zeichen,  wie  sehr  man  die  Vermehrung  des
Wohlstandes  der  jungen  Hausfrau  wünsche.  Hört  man  eine  Wachtel  schlagen,  so  zählt
man  die  Schläge;  ihre  Anzahl  bedeutet  die  Zahl  der  Kinder  des  jungen  Ehepaars.  Die
Getreide-Art,  in  welcher  die  Wachtel  schlägt,  wird  während  des  ganzen  Lebens  des  Ehepaars ­
  günstige  Ernten  liefern;  schlägt  die  Wachtel  auf  einem  Rain,  so  bedeutet  das  Jahre
des  Mißwachses  und  Unfälle  mit  Kindern.  Hört  man  zum  ersten  Mal  donnern,  so  muß
die  junge  Hausfrau  den  nächsten  schweren  Gegenstand  fassen  und  zu  heben  suchen,  was
ihr  Stärke  und  Gesundheit  zu  schaffen  vermag.
Den  Eingang  in  das  Dorf  des  Mannes  versperren  wieder  die  Mädchen  des  Ortes,
scheinbar  erzürnt,  daß  einer  von  ihnen  ein  Gatte  entgangen  und  ein  Jugendfreund  aller
durch  eine  Fremde  entzogen  worden  ist.  Ein  Tribut  öffnet  wieder  dem  Zuge  den  Eingang.
Die  junge  Hausfrau  ladet  nun  alle  Mädchen  in  das  Haus  ihres  Mannes;  sie  schließen  sich
dem  allgemeinen  Zuge  an.  Einige  hundert  Schritte  vom  Hause  erwartet  der  junge  Gatte
die  Heranziehenden.  Er  küßt  sein  Weib  und  führt  es  bis  ans  Hausthor.  Da  begrüßt  es
Musik,  die  Eltern  des  Mannes  sprengen  Weihwasser  über  das  junge  Ehepaar  und  führen
es  in  die  Stube.  Die  Begleitung  des  Zuges,  Burschen  und  Mädchen,  beginnt  nun  einen
kurzen  Tanz;  dann  folgt  eine  sehr  reichliche  Bewirthung,  die  bei  festlicher  Musik  bis  spät
in  die  Nacht  hinein  dauert.
Schließen  wir  mit  den  Bolksbränchen  bei  den  letzten  Dingen  des  menschlichen
Lebens:  beim  Sterben,  Aufbahren,  Begraben  und  Erinnern  an  die  Abgeschiedenen.
—  Liegt  ein  Mensch  im  Sterben,  so  wird  im  Sterbestübchen  ein  Handglöcklein  geläutet,
damit  die  scheidende  Seele,  gelockt  durch  die  schwebenden  Töne,  noch  einige  Augenblicke  in
der  Nähe  des  erstarrenden  Leibes  verweile.  Die  Verwandten  und  Nachbarn  stehen  betend
herum,  nur  vom  Weinen  der  Angehörigen  unterbrochen.  Ist  der  Tod  unverkennbar  eingetreten, ­
  so  wird  das  Glöcklein  weiter  und  weiter  weg  vom  Entseelten,  dann  zur  Thüre
hinaus  und  einmal  um  das  Haus  herum  geläutet,  damit  man  so  die  unwiderruflich
scheidende  Seele  noch  ans  ihrem  Abschiedswege  einige  Augenblicke  begleite.  Erst  dann
            
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