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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 1. Abtheilung

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jüngsten Ritter Johann, der sich auch, nach kurzem Abschied von den Brüdern, dem 
Meister Satan zur Verfügung stellte. „Recht", sagte dieser, ingrimmig lächelnd und wieder 
glühende Sägespäne aushustend, „fangen wir an!" Er winkte; es spalteten sich die Wände 
und die Gefangenen traten ins Freie. Sie fielen auf die Knie, um für die glückliche Rettung 
zu danken, aber Satanas ergriff sein Opfer und schwang sich mit ihm hoch in die Lüfte. 
Hier schrie aber Ritter Johann laut auf und erinnerte sich an seinen Schutzpatron, den 
heiligen Leonhard, der ihn schon früher einige Male wunderbar gerettet hatte; diesen rief 
er in der höchsten Angst seiner Seele abermals an — und siehe, St. Leonhard erschien auch, 
bewaffnet mit einer furchtbaren Geißel, die er sofort gegen Belzebub energisch gebrauchte, 
so daß dieser schon nach dem dritten Hiebe seine Beute fahren ließ; — zur Entschädigung 
versetzte Satan dem Befreiten eine Maulschelle derart, daß er mit drei herausgeschlagenen 
Backenzähnen den Erdboden erreichte und ohnmächtig liegen blieb. Beim Erwachen that 
Ritter Johann das Gelübde, an dieser Stelle eine Kapelle zu Ehren seines Schutzpatrons 
erbauen zu lassen — die St. Leonhards-Kapelle bei Kelheim, abendwärts von Neuern. Er 
hielt sein Wort; die Kapelle ist noch vorhanden — Zeuge dessen der Schreiber dieses, der 
als kleiner Ministrant bei einer heiligen Messe diente, die sein geistlicher Jnstructor 1829 
in dieser Kapelle las. 
Der große Schatz in Baiereck. Es ist merkwürdig, daß das Volk, indem es eine 
Sage erfindet, genau nach Art der sogenannten Zauberer vorgeht und seine Fabel mit 
Geheimnissen und Schwierigkeiten umgibt, die es hindern, die Erfindung auf Wahrheit 
oder Glaubwürdigkeit zu prüfen. So ist namentlich die Sage von verborgenen (natürlich 
verzauberten) Schätzen mit Vorbehalten und Gefahren umgeben wie der zusammengerollte 
Igel mit Stacheln. Ist es schon schwierig, die Stelle zu entdecken, wo der Schatz liegt, so 
besteht noch die größere Schwierigkeit, bis zu den (meist eisernen) Kisten vorzudringen, die 
den Schatz enthalten, aber diese Kisten aufzusperren oder auch nur die darauf liegenden 
Höllenhunde zu verjagen, bildet die allergrößte Schwierigkeit. Das gescheidte und biedere 
Volk bei Neuern, das die Burgruine Baiereck umwohnt, hat bei seiner Sagenbildnng über 
den verborgenen Schatz unter den Ruinen einen liebenswürdigen Zug des Entgegenkommens 
bewiesen, indem es in die Sage einen Schlüsselbund einslocht, der die Schwierigkeiten, den 
Schatz zu finden und zu beheben, rein beseitigt. Aber dieser Schlüsselbund — das ist wieder 
das iriZi — liegt in der Nachbarburg Klenau — in einem Brunnen von neunuudzwanzig 
Klaftern Tiefe. Den Schlüsselbund da heraufholen, ist fast beschwerlicher und gefährlicher 
als den Schatz selbst zu beheben. Und so entschlossen sich denn im Jahre 1805 dreizehn 
kühne Männer, man darf schon sagen Waghälse, ohne Schlüsselbund dem Schatz direct 
ans den Leib zu rücken. Eine sehr resolute Frau schloß sich den verwegenen Männern 
an. Es war um Mitternacht, Sturm und Regen. Ein Zauberkreis wird gezogen, in den
	        
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