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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 1. Abtheilung

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Wichstadtl  nach  Mittelwalde.  Man  unterscheidet  das  Deschneyer,  Kronstädter,  Reichenauer
und  Rokitnitzer,  auch  das  Katscherer,  Rybnaier  und  Lititzer  Gebirge.  Bedeutendere  Höhen
sind  die  Deschneyer  Großkoppe  (1114  Meter),  der  Lotzen  (1082  Meter),  der  Marnscha
(1039  Meter),  der  Kreisel  (1094  Meter),  der  Steingipfel  (951  Meter),  der  Schnittberg
(995  Meter),  die  Johnskoppe  (1042  Meter).  Der  Kronstädter  Berg  (1037  Meter)  und
der  Ernestinenberg  tragen  weithin  sichtbare  Kapellen.  Über  die  Hohe  Wurzel  (797  Meter)
bei  Ottendorf  gibt  es  einen  sehr  beschwerlichen  Fahrweg,  welcher  aber  doch  zur  Postbeförderung ­
  benützt  wird;  auch  zieht  sich  längs  des  Hauptkammes  eine  „Armensünderstraße".
Der  Hauptfluß  ist  die  Wilde  Adler,  welche  aus  den  Seefeldern  im  Glatzer  Mensegebirge
  kommt,  die  Landesgrcnze  bildet,  die  Ortschaften  Kronstadt  und  Schwarzwasser
berührt  und  bei  Nesselfleck  in  Böhmen  eintritt.  Das  Flußbett,  welches  bisher  eine  flach
rinuenförmige  Gestalt  hatte,  wird  nun  enger,  die  Gehänge  höher,  steiler,  auch  meist
felsig.  Später  wird  der  Thalgrund  wohl  ebener,  bis  der  Fluß  bei  Zachlum  das  Lititzer
Gebirge  betritt  und  den  merkwürdigen  Granitstock  in  mäandrischer  Windung  durchbricht.
Die  Gehänge  sind  hier  besonders  malerisch,  den  Rücken  einer  schmalen  Bergzunge  krönt
die  Burgruine  Lititz.  Unweit  des  Bahntnnnels  gibt  es  noch  ein  zweites  „Loch",  durch
welches  das  Wasser  in  eine  Turbine  stürzt.  Hier  wird  die  Kraft  in  gepreßte  Luft  umgesctzt,
diese  aber  durch  den  Berg  zurückgeleitet  und  zu  fabriksmäßiger  Schotterzerkleinerung
benützt.  Und  abermals  drängt  sich  die  Adler  durch  eine  enge  Thalschlucht  bei  der  Ruine
Pottenstein,  worauf  sich  das  Flußbett  erweitert  und  das  rechte  Ufer  sich  verflacht.  Doch
ist  das  Bett  selbst  mit  Urfelsgeschiebe  erfüllt  und  die  Überschwemmungen  richten  oft
große  Verwüstungen  au.  Die  Gegend  um  Pottenstein  und  Lititz  wird  wegen  ihrer
Romantik  von  Naturfreunden  gern  besucht.  Mit  der  Wilden  Adler  verbindet  sich  als
zweiter  Quellfluß  die  Stille  Adler  (Erlitz),  welche  am  Grulicher  Marienberg
(760  Meter)  entspringt  und  bei  Tynist  mündet.  Außer  Pottenstein  liegen  Wamberg,
Adler-Kosteletz  und  Eastolowitz  flußab  von  Lititz.  Flußauf  dagegen  kommen  wir  nach
Senftenberg.  Hier  bestand  früher  eine  Sternwarte,  jetzt  noch  ein  sehr  ausgedehnter
Park.  Bei  der  Pestkapelle  aus  dem  nahen  Rosalienhügel  erfreut  man  sich  einer  herrlichen
Aussicht.  Von  Senftenberg  fährt  man  zu  Wagen  sehr  angenehm  nach  Rokitnitz.  Hier
weht  der  Polak,  ein  Nordostwind,  im  Winter  bisweilen  so  heftig,  daß  der  Verkehr  selbst
innerhalb  der  Stadt  fast  unmöglich  wird.  Westlich  von  Rokitnitz  liegt  Reichenau,  nördlich
davon  Sollnitz,  noch  nördlicher  Neuhradek  und  Gießhübel.
Besonders  lohnend  ist  eine  Wagenfahrt  von  Senftenberg  durch  das  Rokytenkathal
über  Kunwald  und  Batzdorf  nach  Hohenerlitz,  Bärenwald  und  Kronstadt,  wo  ein  Denkmal
an  Josephs  II.  Anwesenheit  und  Hafermahd  (4.  September  1779)  erinnert.  Auf  der
Hochebene  bei  Kunwald  sind  die  Fichtenzweige  mit  langen  Moosbärten  behängen,  während
            
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