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Die Prosa hatte eben auf lange ein Übergewicht über alle Versformen erlangt. Auch die
Chronik des Pulkava, die auf Befehl Karls IV. entstanden war, wurde ins Deutsche übersetzt.
Selbst der Kanzler Kaiser Karls, Johann 0on Neumarkt, war als Übersetzer
thätig. Er stammte aus Neumarkt in Schlesien, wurde 1353 Bischof von Leitomischl, 1364
Bischof von Olmütz und starb 1380. Kanzler des Kaisers war er von 1353 bis 1374.
Er ist unzweifelhaft einer der bedeutendsten Männer in der Umgebung des Kaisers. Er
war ihm auf seinem Zuge nach Italien gefolgt, stand in Briefwechsel mit Petrarca,
dem „Vater des Humanismus" — man hat den Kanzler selbst den ersten Humanisten dies
seits der Alpen genannt. Er schwelgte in den Schönheiten eines blumenreichen Stils, hat
vielerlei lateinische Schriften verfaßt, auch lateinische Lieder gedichtet, zeigt sich aber auch
vertraut mit der deutschen Dichtung, indem er z. B. einem Amtsbruder ein Gedicht Frauen
lobs lateinisch erläutert. Er war auch als deutscher Schriftsteller thätig. Als Bischof von
Leitomischl (wahrscheinlich zwischen 1358 und 1363) übersetzte er im Auftrag Karls IV.
die Soliloqnia des heiligen Angustin unter dem Titel krmelr clor liodeliosirirA. Noch
umfangreicher ist seine Übersetzung des Lebens des heiligen Hieronymus, und zwar nach
Briefen, die den Heiligen Eusebius, Augustinus und Cyrillus unterschoben sind. Solchen
Beifall fand dieses Werk, das uns heute fast nur durch die Sprache interessant ist, daß cs
häufig abgeschrieben, ins Niederdeutsche übersetzt 1484 in Lübeck und in demselben Jahre
in einer holländischen Übersetzung gedruckt wurde. Aus der Einleitung erfahren wir, daß
das Weil verfallt wurde, als Johann Bischof von Olmütz und Kanzler des römischen
Kaisers war (1364 bis 1374), ans einem Briefe wissen wir, daß es in Prag vollendet
wurde. Es ist der Markgräfin Elisabeth, der Gemalin Josts von Mähren, gewidmet.
Wichtiger als die Übersetzung solcher historischer Schriften sind die Übersetzungen
der Bibel. Von Böhmen nahm ja die große religiöse Bewegung der folgenden Jahrhunderte
ihren Ausgangspunkt. Eine Übersetzung der Episteln des Apostels Paulus, die aus
Böhmen, und zwar aus der Zeit König Wenzels IV. stammt, bewahrt die k. k. Hofbibliothek.
Wahrscheinlich, obschon nicht sicher erwiesen, wurde auch die erste Übersetzung der ganzen
Bibel, die von 1466 an wiederholt (sechzehnmal), wenn auch mit verschiedenen Ver
besserungen gedruckt wurde, in Böhmen um die Mitte des XIV. Jahrhunderts angefertigt.
Trotz vieler Vorzüge, die diese Übersetzung hat, hasten ihr doch auch viele Mängel an. Der
Übersetzer war weder des Lateinischen noch des Deutschen in besonders hervorragendem
Maße mächtig; er haftet zu oft noch streng am Lateinischen und verfällt in Eintönigkeit, da
sein deutscher Sprachschatz für ein solches Unternehmen nicht reich genug war. Der Schreiber
einer Handschrift der Übersetzung, die das Kloster Tepl bewahrt und die am Ende des
XIV. Jahrhunderts geschrieben wurde, hat wie auch schon der Schreiber seiner Vorlage
das Bedürfniß gefühlt, einzelne veraltete Ausdrücke durch neuere zu ersetzen oder zu erklären.