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Künstlertalente vergönnte. Am 26. April 1859 debütirte Wilhelm Jahn, der gegen
wärtige Director des Wiener Hofoperntheaters, in dem von ThomL neu errichteten großen
Holzbau des Neustädter Theaters und begründete hier den Glanz seines künstlerischen
Namens. Sein Weg führte von Prag über Wiesbaden nach Wien, wo er 1881 an die
Spitze der Hofoper trat. Und Wilhelm Jahn selbst begründete in Prag den Ruhm der
kleinen und nachmals so groß gewordenen Pauline Lucca, welche dort am 12. April
1860 als Valentine in den „Hugenotten" Aufsehen machte und sofort als phänomenales
Talent gefeiert wurde. Hier „entdeckte" sie der Berliner Generalintendant von Hülsen, und
ihre Zukunft war gemacht. Am 14. Mai 1860 begann der Tenor Franz Nachbaur als
Nachfolger Eduard Bachmanns seine Laufbahn in Prag, die ihn zu hohem Künstlerruhm
emporheben sollte, zwei Jahre später nahm die Laufbahn des Bassisten Hans Rokitansky
ihren Ausgang von Prag. Das war im alten deutschen Theater.
Am 18. November 1862 öffnete das neuerbaute cechische Landes-Jnterimstheater
am Franzens-Quai seine Pforten, aber noch zwei Jahre blieb die Direction der losgetrennten
cechoslavischen Bühne mit dem Mutterinstitut, dem nunmehrigen deutschen königlichen
Landestheater, vereinigt. Am 24. April 1863 erst beschloß der böhmische Landes
ausschuß, daß die Directionen des deutschen und des böhmischen (cechischen) Theaters in
Zukunft vollkommen getrennt und daher für jede ein separater Concurs bei einer Jahres
subvention des Landes von 10.500 Gulden auszuschreiben sei.
Der erste Director des separirten'deutschen Landestheaters, Rudolph Wirsing,
eröffnete am 28. März 1864 mit Goethe's „Faust" das Theater. Er hatte allmälig eine
Künstlerschaar versammelt, wie sie an den ersten deutschen Hoftheatern kaum besser zu
finden war: die Namen Konrad Hallenstein, Heinrich Oberländer, VolkmarKühns,
Edmund Sauer (in Berlin 1892 verschieden), Hassel, als Veteran in Prag gestorben,
Marie Keßler, nachmals ein hervorragendes Mitglied der Berliner Hofbühne, Marie
Frey, Karl Arnau, heute am Burgtheater, die Heroine Anna Versing-Hauptmann,
die Naive Karoline Seitler, Emil und Hermine Claar (Delia), ersterer Oberregisseur,
gegenwärtig Intendant des Frankfurter Stadttheaters, Olga Precheisen (Lewinsky) als
Heroine, Arthur Vollmer, jetzt in Berlin Komiker, Wilhelm Eichenwald (Komiker),
bezeichnten markante Figuren dieser Schauspielgesellschaft, mit welcher das deutsche
Landestheater in Prag in den heißen Wettkampf mit anderen deutschen Bühnen und mit
dem eigenen slavischen Tochterinstitut eintreten konnte, über welches es noch lange eine
unleugbare Superioritüt behauptete. Rudolph Wirsing selbst war ein feinfühliger, vornehm
gebildeter Mann, der in seinem Buche „Das deutsche Theater" seine Stellung zu den
brennenden Theaterfragen theoretisch gekennzeichnet hatte und sie praktisch mit tat
sächlichen Erfolgen sestzuhalten verstand. Die Pflege des elastischen deutschen und des