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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 2. Abtheilung

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der Versetzstelle mit dem Hammer zugerichtet wird, also nicht schon in einem für ein 
bestimmtes Gefüge genau berechneten Zustand auf das Gerüst kam, deutet darauf hin, 
daß der Buchmaler einen nach dem Brauche der Zeit vorwiegend aus Bruchsteinen auf 
zuführenden Bau im Auge hatte, worauf auch die unregelmäßigen Formen der Steine Hin 
weisen, welche den durch Gottes unmittelbares Eingreifen beim Baue gehinderten Arbeitern 
entfallen; doch war die Lagerung der Schichten schon eine ziemlich regelmäßige, an den 
reinen Quaderbau erinnernde. Die Ausführung hatte offenbar noch mit manchen Schwierig 
keiten zu kämpfen und entbehrte manchmal der wünschenswertsten Genauigkeit und Solidität. 
Denn der Zusammensturz der Wölbungen im Prager Domkapitelhaus, des Mittelschiffes 
von Kirchen, der durch Sturm und Regengüsse mitgenommenen Privatbauten und der nur 
wenige Jahrzehnte stehenden Prager Befestigungsthürme trat angesichts der Thatsache, 
daß andere gleichzeitige, von denselben Elementarereignissen betroffene Bauten diese 
kritischen Zeiten ungefährdet überstanden, offenbar infolge gewisser Constructionsmängcl 
und flüchtiger Ausführung ein, die man mit der fortschreitenden Erkenntniß aller Erforder 
nisse der neuen Bauweise langsam ablegte. Bei wichtigeren Bauten ließ man auch die 
Herstellung einer dauerhaften, widerstandsfähigen Dachung nicht außeracht und sorgte, 
wie dies Bischof Johann III. 1276 beim Prager Dom that, für eine solche an Stelle der 
alten schadhaften oder feuergefährlichen. Die schmalen Spitzbogenfenster gewöhnlicher 
Bauten, welche stark abgeschrägte Leibungen und oft steil abfallende Sohlbänke haben, 
waren wahrscheinlich, wie dies heute noch bei kleinen Landkirchen, Kapellen und Sacristei- 
räumen sich Nachweisen läßt, nicht durchaus verglast. Nach Analogie der feierlichen Weihe 
des vollendeten kirchlichen Baues beging man zweifellos auch die Fertigstellung eines 
Profanwerkes oder wichtiger Theile desselben wie in späterer Zeit schon im XIII. Jahr 
hundert mit einer kleinen Festlichkeit, an welcher natürlich auch die Arbeiter ihren 
Antheil hatten. 
Während die Gothik in Böhmen ihren Einzug hielt und an alle größeren und 
wichtigeren Bauunternehmungen sich herandrängte, trat auch eine wichtige Änderung 
hinsichtlich der Künstler und der von ihnen beschäftigten Arbeiter ein. Wie in anderen 
Ländern, so hatte auch in Böhmen seit der Einführung des Christenthnms und mit der 
Verbreitung der geistlichen Orden die Geistlichkeit lange Zeit hindurch nicht nur eine 
kunstfördernde, sondern auch eine kunstübende Stellung eingenommen. Denn da die 
Erfordernisse für die Ausübung des neuen Cultus und zweckentsprechende Vorkehrungen 
für die Befriedigung aller Bedürfnisse eines Ordenshauses den Laien des Landes unbekannt 
waren, so mußte hier länger andauernd nicht nur die Belehrung und Anleitung durch 
das Wort, sondern auch die praktische Anleitung durch die That von Seite der neuen 
Culturträger platzgreifen. Je mehr die also vermittelte Anregung durch die bei der
	        
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