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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 2. Abtheilung

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König Ladislaus 1453 sein Majestütssiegel von den Nürnberger Goldschmieden Seitz 
Herdegen undHieroiiynmsHölper, demGroßvater des berühmten AlbrechtDürer,anfertigen 
ließ, 1465 die Freiberger Maler Meister Heinrich und Meister Hans Münzer die Lieferung 
einer Altartafel für Graupen übernahmen, 1495 der Görlitzer Maler Georg Burchart eine 
„toffel" nach Liebenan ablieferte, 1486 Meister Lorenz, Zinngießer von Baudissin, fin 
den Guß der großen Graupener Glocke vertragsmäßig gewonnen wurde und Maler aus 
Plauen sich in Kaaden niederließen, so mußten auch die deutschen Kunstanschauungen einen 
nicht unwesentlichen Theil des spätgothischen Kunstschaffens in Böhmen bestimmen. 
Unter den Werken der einheimischen Architekten ragen die Leistungen des Matthias 
Rahsek imponirend hervor. Seine Tätigkeit setzte 1476 bei der Erbauung des Prager 
Pulverthurms ein, zu welchem am Montag nach Palmarum 1475 der Grundstein gelegt 
wurde. Die Altstüdter Rathsherren, welche die Ausführung ursprünglich einem Meister- 
Wenzel übertragen hatten, nahmen nach Schluß des Thorbogens den Matthias Raysek 
von Prostejov, bis dahin Baccalanrens der Tehnschule, dazu aus, die Bildhanercubeiten 
und Ornamente herzustellen, und übertrugen ihm nach zwei Jahren allein die Weitei- 
führnng des Werkes. Die untere Partie desselben bis zu den oberhalb des Thorbogeus 
angeordneten Vierpässen gehört dem Meister Wenzel, dem offenbar der Altstädter Brücken 
thurm als Muster vorschwebte; der von hier bis zu den unteren Fenstern reichende 
Theil ist gemeinsame Arbeit beider Meister, indeß das Übrige von Matthias Raysek 
stammt, der gleichsam die ihm nachgerühmte Fähigkeit im Zeichnen und Anfertigen von 
Blumen und Bildwerk besonders hervorkehrte, um das Äußere des Werkes mit Figuren, 
Wimpergen, Consolen und Fenstergewänden in überkünsteltem, manchmal sogar plumpem 
Laubwerk zu zieren. Gegenüber dem klaren, kräftigen und harmonischen Aufbau des 
Altstädter Brückenthurms ist hier eine gewisse Unsicherheit in der Beherrschung der 
schwerfälligen Masse mit übertriebener, an Spielerei streifender Künstelei gepaart. Aller 
dings lag dieselbe im Geist der damaligen Bauweise, da sie den Matthias Raysek offenbar- 
bekannt machte und weiter empfahl. Denn als die Kuttenberger, die am 22. August 1483 
den Grundstein zu dem seit den Husitenkriegen stockenden Weiterban der Barbarakirche 
gelegt hatten, wahrscheinlich nach dem Tode des 1488 oder 1489 verstorbenen ersten 
Meisters Hanns einen neuen Bauleiter benöthigten, nahmen sie den von der Altstädter 
Steinmetzenzunft empfohlenen Meister Rahsek, welcher dem Kuttenberger Meister Blazek 
von Jugend auf bekannt war, als Werkmeister auf. Seine Arbeit läßt sich ziemlich genau 
abgrenzen; sie umfaßt den Choroberbau bis zum Schlußstein der Wölbung, dessen 
Inschrift 1499 als Vollendnngsjahr nennt, und fesselt durch die mit originellem Maßwerke 
gezierten Oberlichter, das Strebeshstem mit den reichgeschmückten Strebepfeilern, die zwar 
eigenartige, aber nicht uninteressante obere Anßeugallerie des Chors und die mit schöner
	        
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