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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 2. Abtheilung

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Wohlmuth nach vollendeter Arbeit 5. November 1563, „das ich zu got verhoff, euer Römisch 
kais. maj. die werden nicht allein ein gnädiges gefallen, sonder der ganzen cron Behaimb 
und derselben nachkomen ein eerlich Kleinat und gedachtnusz sein, sich auch wo nit besser 
dem saal daneben vergleichen" — „umb welcher arbeit willen dem maister Benedigt säligen 
vom künig Vladislaus ein hoher eerntitl gegeben worden . . . . " fügt er in einer kaum 
mißzudeutenden Absicht hinzu. Bei anderen Schloßtheilen war Wohl auch Hans Tyrol 
betheiligt, aber zu besonderer Bethätigung in künstlerischer Richtung war wenig Gelegen 
heit. Der für das sogenannte Rentamt und die Landtafel errichtete Flügel, welcher sich 
unorganisch an den Wladislaw'schen Bau angliedert, ist in künstlerischer Beziehung unbe 
deutend. Auch bei dem Bau der Domkirche hat die Thätigkeit beider Baumeister Wohl 
muth und Tyrol keine künstlerisch hervorragenden Spuren hinterlassen. 
Die italienischen Baumeister bleiben auch bei den von den Großen des Landes unter 
nommenen Bauten tonangebend. In der Nachbarschaft des königlichen Schlosses erwächst 
der, bald nach 1545 von Johann von Lobkowitz erbaute, gegenwärtig Schwarzen- 
berg'sche Palast, mit seinen Flügeln dem Hradschiner Platz,mit seiner, auf steilem Abhange 
errichteten Front der Spornergasse zugekehrt. Der Bau kann als Typus der Schloßbauten 
der böhmischen Renaissance hingestellt werden; die in Sgraffito nachgeahmten Bossagen, 
die Lünetten unter dem vorgekragten Dachgesimse, die durch Pilasterstreifen gegliederten 
Giebel, die ganze der einheimischen Flora entnommene Sgraffito-Ornamentik, welche die 
Lünetten und Giebel belebt, kommen nebst den auch hier früher vorhandenen Hofarkaden 
auch bei anderen Bauten Böhmens vor, so daß sie als Merkmale der unter dein italienischen 
Einfluß sich entwickelnden Renaissance Böhmens gelten mögen. Auch beim bürgerlichen 
Wohnhause, welches im Großen und Ganzen die Eintheilung jenes der gothischen Periode 
beibehält, kommen dieselben Merkmale vor; das hohe Dachgerüst, welches insbesondere 
als Erbe der alten Zeit beibehalten wurde, wird erst jetzt in decorativer Beziehung ver 
wertet, indem es in malerisch sich aufbauende Giebel aufgelöst wird. Dieselben verleihen 
nun den langen Gassenfronten, wie es beispielsweise noch jetzt bei der Schloßstiege mit 
dem ehemaligen Slawata'schen von den Herren von Neuhaus erbauten Hause der Fall ist, 
einen eigenthümlich malerischen Reiz, welcher seinerzeit noch durch Sgraffitos und Malereien 
erhöht war. An architektonischem Ornament sind die Renaissancebauten Prags und 
Böhmens überhaupt sonst nicht besonders reich. Die Fenster, welche ihre gothischen Profile 
erst nach und nach abwerfen, werden durch kräftige Chambranlen überkragt, die Thore und 
Thüren in der Regel durch gewaltige Bvssagen umfaßt, welche oberhalb des Bogens 
beim adeligen Hause das Wappen, beim bürgerlichen ein Schild mit dem Merkzeichen 
des Eigenthümers tragen. Wo größerer Reichthum an decorativeu Formen entfaltet wird, 
ist der Eingang durch Säulen flankirt, welche das Gebälke und ein Tympanon tragen.
	        
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