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ein rechter Zufluchtsort der jagdlustigen und allerlei Kurzweil treibenden Gesellschaft der
Nudolfinischeu Zeit. Das Schloß ist im Jahre 1583 unter Wilhelm von Rosenberg
erbaut worden und wir finden hier die aus Neuhans her bekannten italienischen Meister
Baltazaro Majo und Antonio Melana wieder. Ihnen gesellt sich als Dekorateur der
Rosenberg'sche Maler Widman hinzu. Die ganze künstlerische Pracht der lebenslustigen Zeit
war hier im Innern des Schlosses concentrirt; die Decken waren mit den theils in Gold
strahlenden weißen Stuckaturen Melana's, die Wände mit Tapeten und Malereien, die
Thüren mit Intarsien versehen, und selbst der Boden erhielt in den azulejoartigen Fließen,
welche nun zur Zierde einzelner Appartements des prachtvollen Neubaues Frauenberg
dienen, einen entsprechenden Schmuck. Wie so manches Bauwerk der Renaissance ist auch
dieses vor Verwüstung nicht verschont geblieben.
Neben der Architektur der Herrensitze hat sich in Südböhmen jene des bürgerlichen
Hauses in eigenartiger Weise ausgeprägt. Das Charakteristische desselben sind die Lauben
gänge des Erdgeschosses und der horizontale, an Italien mahnende Abschluß des oberen
Geschosses; die hohen gothischen Firste, welche noch in der alten Hussitenstadt Tabor häufig
anzutreffen sind, kommen hier selten vor. Nur durch einen Zinnenkranz, ab und zu durch
eigenthümliche runde Thürmchen, welche sich auch manchmal zu einem gelinde aufsteigenden
Giebel gruppiren, erhält die Bekrönung des Gebäudes einen reicheren Schmuck. Es liegt
etwas trotzig Wehrhaftes in dieser Bauart, welche wir in Krnman, Wittingau und Bndweis
antreffen und dessen Typus wir bis Deutschbrod und bis auf den mährischen Boden
verfolgen können. Unwillkürlich erinnern wir uns an die vielen heißen Kämpfe, welche in
den Straßen dieser Städte, wo die Gegensätze des Glaubens und der Standesinteressen
so hart aneinander stießen, ausgefochten wurden.
Ein nahezu vollständiges Bild einer mehr friedlichen südböhmischen Stadt des
XVI.Jahrhunderts hat sich in dem einst als bedcutenderHandelsplatz blühenden Prach atitz
erhalten. Zahlreiche Gebäude haben dort ihr ursprüngliches, mit Fresken und Sgraffitos
geschmücktes Äußere bis heute bewahrt. Das zinnenbekrönte Stadtthor mit dem Reiterbilde
Wilhelms von Rosenberg, das in den Jahren 1570 bis 1571 erbaute Rathhaus, das
Bräuhaus, Herrenhaus, Zdiarsky-Haus, das letztere von Meister Fargit aus Budweis im
Jahre 1604 erbaut, alle mit verschiedenen Darstellungen, mit zahlreichen lateinischen,
böhmischen, mitunter auch deutschen Sprüchen bedeckt, sind die interessantesten und best
erhaltenen Gebäude dieser alterthümlichen Stadt. Neben italienischen Einflüssen traten in den
Malereien auch Anklänge an Holbeins und Jost Ammans Stiche hervor; die Bauart selbst
weist ans die unter dem Einfluß italienischer Künstler heimisch gewordene Richtung hin.
Einer förmlichen Colonie italienischer Maurer und Baumeister, wie sie sonst zu jener
Zeit nur auf der Kleinseite Prags anzutrcffen war, begegnen wir in Pilsen. Die Stadt