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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 2. Abtheilung

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Wenn  wir  das  damalige  Bestreben  als  Bauwuth  bezeichnen,  so  soll  sich  dieser
Ausdruck  keineswegs  aus  die  eben  berührten  Schloßbauten,  sondern  lediglich  auf  die
geschmacklose  Ummodelung  älterer  Bauwerke,  wie  sie  ja  auch  in  der  Gegenwart
vorkommt,  beziehen.  Am  meisten  wurde  an  Neuhaus  gesündigt.  Diese  großartige,  im  XIV.
und  XV.  Jahrhundert  mit  entsprechendem  Kunstaufwande  erbaute  Burg  unterlag  mit
seinem  Hauptgebäude  (der  sogenannten  Heinrichsburg)  und  dem  daran  stoßenden  Hungerthurm ­
  einer  Übertünchung  in  italienischer  Manier,  glücklicherweise  ohne  Verletzung  der
inneren,  im  edlen  gothischen  Stil  gehaltenen  Räume.  Da  letztere  für  die  Hofhaltung
Adams  von  Neuhaus  nicht  genügten,  wurden  in  den  Jahren  1580  bis  1596  neue  Zubauten
hinzugefügt.  Diese  (leider  im  Jahre  1773  durch  eine  Feuersbrunst  verwüsteten  und  theilweise
  öden)  Räume  sind  an  und  für  sich  ein  einheitliches  Kunstwerk  im  edlen  Stil,
harmoniren  aber  keineswegs  mit  dem  gothischen  Stock,  an  den  sie  angebaut  sind.
Ihre  innere  Ausstattung,  noch  in  Resten  erhalten,  zeigt  von  Prachtliebe  und  Geschmack,
ebenso  wie  der  benachbarte  Gartensalon,  welcher  sämmtliche  der  adeligen,  damals
beliebten  Lusthäuser  au  kunstvoller  Ausstattung  übertraf,  dermal  aber  blos  als  Kunstreliquie ­
  sein  Dasein  fristet.  Auch  die  von  den  Rosenbergen  bereits  im  XV.  Jahrhundert ­
  durch  Zubauten  erweiterte  Burg  Krumau  hat  zweimal  bedeutenden  Umbau
erlitten,  doch  zeigt  die  Bauthätigkeit  Wilhelms  von  Rosenberg  ein  viel  schöneres  Resultat
als  diejenige  der  Eggenberge  um  ein  Jahrhundert  später,  da  diese  eine  bloße  Uniformirung
im  Kasernenstil  bezweckte,  während  Wilhelms  Schöpfung,  das  am  Felsen  stehende  zierliche
Gebäude  mit  dem  anstoßenden,  ebenfalls  zierlich  ausgebauten  Rnndthurm  zu  den  schönsten
Partien  des  jetzigen  Krumauer  Schlosses  gehört.
Einige  Schlösser,  welche  damals  umgebaut  wurden,  sind  noch  vollständig  erhalten
sowohl  in  ihren  älteren  Theilen,  als  auch  in  den  von  italienischen  Meistern  hinzngefügten
Gebäuden.  Wir  nennen  das  hochgelegene  schön  gebaute  Schloß  Opocno,  eine  Schöpfung
der  Familie  Trcka,  das  imposante  Schloß  Nachod,  ein  Werk  der  Smiricky,  die  Ruine
Koschumberg  bei  Luze,  in  die  von  den  Slavatas  ein  Renaissanceflügel  hineingebaut
wurde,  Altenburg  bei  Liban,  von  dessen  älteren  Gebäuden  nur  die  Burgkapelle  stehen
geblieben  ist,  die  Ruine  Zerotiu  bei  Juugfernteinitz,  das  Schloß  Zumberg  bei  Nassaberg,
endlich  die  Ruine  Ruppau  bei  Prestitz,  in  deren  hohem  Schlot  ein  ganzes  Vermögen
in  Rauch  aufging.  Auch  das  malerisch  gelegene  Schloß  Tetschen  hat  damals  durch
die  Ritter  von  Bünau  und  durch  späteren  Umbau  nichts  Burgenähnliches  behalten
als  nur  den  steilen  Felsen,  von  dem  es  sich  in  den  Wellen  des  Elbestroms  abspiegelt.
Klingenberg  wurde  durch  einige  neue  Gebäude  erweitert,  so  daß  die  einzelnen  Theile  der
ausgebreiteten  Burg  aus  einigen  Jahrhunderten  stammen  und  sich  darnach  auch  leicht
unterscheiden  lassen.
            
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