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Charakter verloren hat. Die Grabdenkmalplastik schritt, wie sich aus zahlreichen Grabsteinen
großer und kleiner Gotteshäuser des Landes feststcllen läßt, zu einer immer lebenswahreren
Darstellung der betreffenden Personen vor, wobei das anfangs nur in schwachem
Relief gearbeitete Bildniß allmälig in entsprechender Rundung entschiedener vortrat. Die
im XiV. und XV. Jahrhundert als Zierde jedes Gotteshauses angeordneten Sacramentshüuschen,
die z. B. in Nachod, Eger, Schlan, Rakonitz als zierlich decorirte Schreine
mit Seitenstreben, Fialen, Baldachin, Wimperg- und Kreuzblumenkrönung, bald wieder
pyramidenartig aufsteigend, wie in den Kirchen zu Kaurim, Böhmisch-Brod, Prachatitz,
Krumau, Gang, Nezamyslitz, in der Dreifaltigkeitskirche zu Kuttenberg, in der Königgratzer
Kathedrale u. a. O. die Evangelienseite des Chorraumes zierten, boten der Plastik
neue dankbare Aufgaben, die einheimische wie fremde Meister mit Geschick lösten. Als Muster
der heimischen Richtung darf das inschriftlich von Raysek verfertigte Sacramentshäuschen
in Gang gelten, während in Eger sich Einflüsse Nürnberger, in Prachatitz solche süddeutscher
Auffassung zeigen. Auch an den Aufbau der Kanzeln drängte sich die spütgothische
Plastik und schuf in Kuttenberg, Prag, Laun, Aussig und Unterhaid treffliche Werke; nächst
der Kuttenberger ist die von Raysek in Gang aygefertigte Kanzel, welche an reicher Ausstattung
noch von der Rakonitzer übertroffen wird, wohl wegen der Nachweisbarkeit des
Urhebers am interessantesten, wenn auch ihr Meister keineswegs mit den gleichzeitigen
bedeutenden plastischen Leistungen anderer Länder ans gleicher Stufe steht. Ebenso wenig
zeigt der gegen Schluß des XV. Jahrhunderts in der Prager Teinkirche aufgestellte Altarbaldachin,
daß der Künstler eine hervorragende Begabung für das Plastische besaß. Das
realistisch herausgearbeitete Astwerk spätgothischer Decorationsweise kam an dem
Wladi.slaw'schen Oratorium des Prager Doms und an der reichen Umrahmung der
berühmten Uhr im Thurme des Altstädter Rathhauses am entschiedensten und mit einer
gewissen künstlerischen Eleganz zur Geltung. Die Plasük trat in der zweiten Hälfte des
XV. Jahrhunderts auch immer mehr in den Dienst des Profanbaues, wie die Sculpturenreste
der Burg Lititz, am Saalbau in Pürglitz, des abgerissenen Prager Thors in Schlan,
des Saazer Thors in Laun, des steinernen Hauses, sowie des Stadtbrunnens in Kuttenberg
beweisen. Eine sehr anerkennenswerthe Leistung maßvoller Außenverzierung bleibt der
Erker in Laun, während uns in dem Portal des Altstädter Rathhauses in Prag und
in dem daneben befindlichen Fenster schon mehrfach geschmacklose Auswucherungen spätgotischer
Zierformen begegnen. Ein repräsentativ realistischer Zug schuf iü einzelnen
Städten als Wahrzeichen der Handelsfreiheit die Rolandssäulen, wie jene am Leitmeritzer
Rathhause und an der Prager Karlsbrücke; die letztgenannte auf einem mit gewappnetem
Wächter, Engel und Kaufmann gezierten Pfeiler wurde vor wenigen Jahren durch eine
im Stilgefühl nicht ganz glückliche Nachbildung ersetzt.