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Kraft gemalt. Das Colorit war ursprünglich von klarer, leuchtender Farbe, wie es beispielsweise
bei dem Simeon und Anna darstellenden Bilde bei den Karmelitern in Prag der
Fall ist; erst in späterer Zeit scheint er sich die tiefe Farbenstiminung angeeignet zu haben,
welche im Einklang mit der Wahl und Behandlung der Gegenstände einen der spanischen
Schule verwandten Zug verräth. Derselbe kommt noch nachdrücklicher bei seinem Zeitgenossen
Palcko, welcher eine Vorliebe für visionäre Darstellungen und asketische Heilige
hat, zum Vorschein.
Besonders ein Zweig der Malerei, die Freskotechnik, wurde in Böhmen zu einer
hohen Stufe der Vollendung gebracht. Die gewaltigen Gewölbe und Kuppeln der Kirchen,
die Plafonds der Refectorien und Prachtsäle erforderten einen prunkvollen Schmuck, und
die Kunst eines Pozzo und eines Tiepolo hatte etwas Verführerisches an sich. Der Richtung
derselben leisten die Theoretiker und Pcrspectivmaler wie Ferdinand Galli-Vibiena und der
auch als Lehrer hervorragende Maler und Ingenieur Johann Ferdinand Schor Vorschub.
Anfänglich erscheinen auch auf diesem Gebiete fremde Künstler: Kosmas Damian
Assam und Johann Hiebel von Ottobeuren, welcher die Clemenskirche des Jesuiteneollegs
Clementinum mit prächtigen Fresken schmückte. Auch der Schlesier Liska hatte sich in
dieser Richtung bethätigt; von ihm rührt ein Theil der Fresken der Kreuzherrenkirche
in Prag her; dieselben durch ein großes Knppelbild zu vollenden, wurde der junge Maler-Wenzel
Lorenz Reiner herangezogen, welcher bereits im Verein mit Assam die Kirche
am Weißen Berge mit Fresken versah. In Reiner (geboren in Prag 1686, gestorben
1743), welcher ursprünglich Veduten, Thierstücke, Altarblätter mit großer Virtuosität
schuf, erstand nun Böhmen der größte Freskomaler des XVIIl. Jahrhunderts und wohl
einer der bedeutendsten Meister seiner Zeit überhaupt. Die kolossalen Gemälde, welche die
Gewölbe von St. Ägid, St. Thomas,St. Katharina u. a. m. in Prag, in den Klosterkirchen
zu Dux, Ossek bedecken, sind, wiewohl sie an Farbenpracht viel eingebüßt haben, von einer
gewaltigen Wirkung. Die Ordensheiligen und Ordensbrüder spielen darauf eine hervorragende
Rolle und in der Verherrlichung derselben sehen wir gewissermaßen die Macht, zu
welcher in jener Zeit die Geistlichkeit gelangte, sich wiederspiegeln. Auch zahlreiche Schloßbauten
rühmen sich seiner Fresken, leider ist ein am meisten gerühmtes Werk dieser Art,
die Fresken des Palais Cernin in Prag, völlig vernichtet worden.
Das Beispiel Reiners trug wesentlich dazu bei, daß sich ein Virtuoseuthum in der
Freskotechnik ausbildete. Da es in erster Reihe galt, Gotteshäuser auszustatten, hat
sich auch eine Anzahl von Ordensgeistlichen der Freskomalerei zugewendet; einPuimonstratenscr
vom Stift Strahov, Siardus Noseckh, welcher insbesondere im Stift Strahov
selbst fignrenreiche und farbenprächtige Werke schuf, steht in erster Reihe, dann der Jesuit
Ignaz Raab, im Ganzen trockener und düsterer als der farbenfreudige Prämonstratcnser.