Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 2. Abtheilung

398

In  dieser  Absicht  übergab  er  seine  Sammlung  der  Gesellschaft  patriotischer  Kunstfreunde
in  die  Verwaltung,  welche  sie  mit  ihrer  Gcmüldegallerie  vereinigte.
Ein  anderer  kunstsinniger  Privatmann,  der  Domänenbesitzer  Anton  Veith,  unternahm ­
  es,  auf  seinem  großen  Besitz  Liboch  bei  Melnik  aus  eigenen  Mitteln  eine  „Slavln"
genannte  Art  Walhalla  zu  erbauen,  bestimmt,  die  Standbilder  der  hervorragendsten
Männer  und  Frauen  Böhmens  anfzunehmen.  Dieser  monumentale  Bau  (im  maurischen
Stil  mit  einem  Thurm),  zu  welchem  der  Münchener  Architekturmaler  Wilhelm  Gail  die
Pläne  entworfen  hatte,  blieb  nach  dem  Tode  Veiths  leider  unvollendet.  Von  den  von
Ludwig  Schwanthaler  in  München  modcllirten  Standbildern  in  Überlebensgröße  sind  in
München  nur  acht  in  Erz  gegossen  und  vollendet  worden:  Libusa,  Premysl,  der  heilige
Wenzel,  König  Ottokar  II.,  Königin  Elisabeth,  Erzbischof  Ernst  von  Pardubitz,  König  Georg
und  Bohuslav  von  Lobkowitz,  welche  dem  Böhmischen  Nationalmnseum  zufielen.  In  der
prachtvollen  Ehrenhalle  (Pantheon)  des  kürzlich  vollendeten  neuen  Museumgebäudes  haben
diese  schönen  Werke  Ludwig  Schwanthalers  endlich  eine  würdige  Aufstellung  gefunden.
Die  Modelle  einiger  anderer  dieser  für  den  „Slavin"  bestimmten  Standbilder  stehen  noch
im  Schwanthaler-Museum  in  München  und  harren  vergeblich  der  Ausführung  in  Erz.
Im  Jahre  1845  wurde  ein  monumentaler  gothischer  23  Meter  hoher  Brunnen
vollendet,  welchen  die  böhmischen  Stände  nach  dem  Entwürfe  des  Architekten  Kranner
zu  Ehren  des  Kaisers  Franz  I.  auf  dem  Franzens-Qnai  in  Prag  errichten  ließen.  Das
Reiterbild  des  Kaisers,  ausgeführt  von  Josef  Max,  dem  Vater  des  bekannten  Malers
Gabriel  Max,  ist  von  Bnrgschmiedt  in  Nürnberg  in  Erz  gegossen.  Die  übrige»,  die
16  Kreise  Böhmens  und  die  Hauptstadt  Prag  charakterisirenden  Figuren,  in  Stein  ansgeführt, ­
  sind  ebenfalls  von  Josef  Max.  —  Wenige  Jahre  später,  im  Jahre  1848,  wurde  das
anläßlich  der  500jährigen  Jubelfeier  der  Prager  Universität  dem  Gründer  derselben,  Kaiser-Karl
  IV.  gewidmete  Denkmal  enthüllt.  Es  ist  von  Ernst  Hähnel  in  Dresden  entworfen  und
modellirt  (1846  vollendet)  und  von  Bnrgschmiedt  in  Nürnberg  in  Erz  gegossen.
Nach  dem  Tode  Franz  Kadliks  wurde  Christian  Rüben  (geboren  1805  zu
Trier,  gestorben  1875  zu  Wien),  ein  ehemaliger  Schüler  der  Düsseldorfer  Akademie  unter
Peter  Cornelius,  zur  Leitung  der  Prager  Kunstschule  berufen.  Seit  1826  zu  München
ansässig,  hatte  er  sich  an  den  Cartons  zu  den  neuen  Glasfenstern  für  den  Regensburger
Dom  und  für  die  von  König  Ludwig  neu  erbaute  Aukirche  bei  München  betheiligt.
In  Christian  Rüben  fand  Graf  Franz  Thun  den  richtigen  Mann  zur  Durchführung
seiner  Ideen.  Obwohl  als  Maler  nicht  hervorragend  thätig,  da  er  seine  Zeit  zumeist  der
Schule  widmete,  verstand  es  Christian  Rüben  wie  keiner  seiner  Vorgänger,  das  Talent
seiner  Schüler  zu  wecken,  diese  zu  leiten,  durch  persönliche»  Einfluß  die  Kunstfreunde  für  die
Arbeiten  seiner  Schüler  zu  intcressiren  und  dadurch  auch  glänzende  Resultate  zu  erzielen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.