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In dieser Absicht übergab er seine Sammlung der Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde
in die Verwaltung, welche sie mit ihrer Gcmüldegallerie vereinigte.
Ein anderer kunstsinniger Privatmann, der Domänenbesitzer Anton Veith, unternahm
es, auf seinem großen Besitz Liboch bei Melnik aus eigenen Mitteln eine „Slavln"
genannte Art Walhalla zu erbauen, bestimmt, die Standbilder der hervorragendsten
Männer und Frauen Böhmens anfzunehmen. Dieser monumentale Bau (im maurischen
Stil mit einem Thurm), zu welchem der Münchener Architekturmaler Wilhelm Gail die
Pläne entworfen hatte, blieb nach dem Tode Veiths leider unvollendet. Von den von
Ludwig Schwanthaler in München modcllirten Standbildern in Überlebensgröße sind in
München nur acht in Erz gegossen und vollendet worden: Libusa, Premysl, der heilige
Wenzel, König Ottokar II., Königin Elisabeth, Erzbischof Ernst von Pardubitz, König Georg
und Bohuslav von Lobkowitz, welche dem Böhmischen Nationalmnseum zufielen. In der
prachtvollen Ehrenhalle (Pantheon) des kürzlich vollendeten neuen Museumgebäudes haben
diese schönen Werke Ludwig Schwanthalers endlich eine würdige Aufstellung gefunden.
Die Modelle einiger anderer dieser für den „Slavin" bestimmten Standbilder stehen noch
im Schwanthaler-Museum in München und harren vergeblich der Ausführung in Erz.
Im Jahre 1845 wurde ein monumentaler gothischer 23 Meter hoher Brunnen
vollendet, welchen die böhmischen Stände nach dem Entwürfe des Architekten Kranner
zu Ehren des Kaisers Franz I. auf dem Franzens-Qnai in Prag errichten ließen. Das
Reiterbild des Kaisers, ausgeführt von Josef Max, dem Vater des bekannten Malers
Gabriel Max, ist von Bnrgschmiedt in Nürnberg in Erz gegossen. Die übrige», die
16 Kreise Böhmens und die Hauptstadt Prag charakterisirenden Figuren, in Stein ansgeführt,
sind ebenfalls von Josef Max. — Wenige Jahre später, im Jahre 1848, wurde das
anläßlich der 500jährigen Jubelfeier der Prager Universität dem Gründer derselben, Kaiser-Karl
IV. gewidmete Denkmal enthüllt. Es ist von Ernst Hähnel in Dresden entworfen und
modellirt (1846 vollendet) und von Bnrgschmiedt in Nürnberg in Erz gegossen.
Nach dem Tode Franz Kadliks wurde Christian Rüben (geboren 1805 zu
Trier, gestorben 1875 zu Wien), ein ehemaliger Schüler der Düsseldorfer Akademie unter
Peter Cornelius, zur Leitung der Prager Kunstschule berufen. Seit 1826 zu München
ansässig, hatte er sich an den Cartons zu den neuen Glasfenstern für den Regensburger
Dom und für die von König Ludwig neu erbaute Aukirche bei München betheiligt.
In Christian Rüben fand Graf Franz Thun den richtigen Mann zur Durchführung
seiner Ideen. Obwohl als Maler nicht hervorragend thätig, da er seine Zeit zumeist der
Schule widmete, verstand es Christian Rüben wie keiner seiner Vorgänger, das Talent
seiner Schüler zu wecken, diese zu leiten, durch persönliche» Einfluß die Kunstfreunde für die
Arbeiten seiner Schüler zu intcressiren und dadurch auch glänzende Resultate zu erzielen.