MAK

Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 2. Abtheilung

44« 
und andere Blattornamente durch Regelmäßigkeit und Geschmeidigkeit der Formen aus. 
Eine oon den Monstranzen des Sanct Veitschatzes trägt auch das Zeichen des Erbauers 
dieses Domes Peter Parler und den Charakter seiner architektonischen Richtung. 
Zn den mit minutiöser Genauigkeit gegossenen und ciselirten Arbeiten gesellen sich 
noch Ornamente in getriebener Arbeit, doch selten zeigen sie sich gleichzeitig an einem 
Werke, als ob die Aufgabe des Gießers und Goldschlägers streng geschieden wäre. 
Nur großartige Werke, wie das leider vernichtete Grabmal des heiligen Wenzel, enthielten 
Alles, was Goldschmiedekunst und Juwelierarbeit zustande bringen konnten. Von dem 
großen Reichthum dieses Grabmals, das vom Sohne Karls Sigismund in einer Geld 
verlegenheit verkauft wurde, belehrt uns ein Inventar aus dem Jahre 1387. Neben 
Karl IV. haben sich auch der Erzbischof Ernst von Pardubitz und der kunstsinnige Bischof 
von Leitomischl Adalbert von Sternberg um die Errichtung dieses berühmten Monumentes 
große Verdienste erworben. Auch ein Tragaltar, jetzt im Stifte Admont, ist ein Denkmal 
nach dem kunstsinnigen Bischof Adalbert von Sternberg und zugleich ein solches der Prager 
Goldschmiedekunst. 
Seine Meisterschaft bewährt der Goldschläger bei solchen getriebenen Arbeiten, bei 
denen er die Aufgabe der hohen Plastik übernimmt. Es sind dies namentlich Reliquiarien 
in Vüstengestalt der Heiligen, in denen diese Meisterschaft ihren Höhenpnnkt erreichte; 
eine silberne Büste der heiligen Ludmila aus der Zeit Karls im Sanct Veitsschatze, 
die ruhig und einfach stilisirt ist. und die kupfernen Büsten des heiligen Petrus und 
Paulus in der Kapelle des erzbischöflichen Palais, die im Ausdruck ungewöhnlich energisch 
gehalten sind, zeigen uns. wie weit es diese Technik brachte und wie sich zugleich im Laufe 
der Zeit Stil und Charakter änderte; die erwähnten Büsten gehören nämlich in die schon 
vorgeschrittene Regiernngszeit Wenzels und tragen den Namen des Erzbischofs Alblk 
von Unicov (1412). Neben getriebenen und punzirten Ornamenten zeigt sich an denselben 
auch Email, dem wir übrigens auch bei zahlreichen anderen Arbeiten begegnen. Am ver 
breitetsten war das dem italienischen verwandte Email auf einem ausgehöhlten silbernen 
Kern; es ist entweder durchsichtig und hat dann eine grüne oder violette Farbe oder 
undurchsichtig und besitzt die Farbe des rothen Siegellacks oder es ist schwarz. Dieses 
schwarze Email auf silberner Unterlage erscheint noch im XV. Jahrhundert. Ungemein 
interessant ist das Besteck der Königin Elisabeth, der vierten Gemalin Karls IV.. im Besitz 
der königlichen Leibgedingstadt Königgrätz. nämlich 24 Lössel mit silbernen cmaillirten 
Stielen, auf welchen ebenso wie auf dem Gürtel derselben Königin verschiedene fromme und 
erotische Sprüche zu lesen sind. 
Es ist schwer zu entscheiden, ob manche Arbeiten aus Halbedelsteinen, wie zum 
Beispiel der schöne Onyxbecher, der im Jahre 1350 von Karl IV. dem Domschatz
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.