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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 2. Abtheilung

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Die Gewinnung von Torf als Brennmateriale ist zwar durch die Natur dieses 
Brennstoffes, welche den Transport ans weite Distanzen erschwert, ans kleine Gebiete 
beschränkt. In den großen Moorgebieten des südlichen Böhmen, besonders m den 
Wäldern der Domänen Gratzen, Chlnmec und Wittingau werden jedoch sehr große 
Quantitäten Torf als forstliche Nebennutzung gewonnen, welche als Heizmateriale und 
namentlich als der wichtigste Brennstoff der hier etablirten Glasindustrie Verwendung 
finden. Die ansgenützten, entwässerten und planirten Torfstichflächen werden sodann 
mittelst Aufforstung wieder der Holzzucht gewidmet. 
Die neu erstandene Torfstreu- und Torfmull-Erzeugung der Domänen Platz und 
Gratzen im südlichen, sowie Kosten im nördlichen Böhmen dürfte eine große Zukunft 
haben, da die Torfstreu als Streumateriale in Stallungen und der Torfmull als 
ausgezeichnetes Desinfectionsmittel bereits häufig verwendet werden. 
Die Waldstreunutzung, mit Recht aus jedem geordneten Forstbetriebe verbannt, 
aber leider bei den bäuerlichen Kleinwaldbesitzern allgemein, ja sogar als hauptsächlichste 
Nutzung gebräuchlich, ist als Krebsschaden zu bezeichnen, durch welchen die Gememde- 
Genosscnschafts- und Kleinbesitzwälder arg geschädigt werden. 
Die Wälder Böhmens erfreuten sich nicht immer einer ungestörten Entwicklung; 
Elementar- und Jnsectenschäden bedrohten sie wiederholt, so namentlich die 
Stürme der Jahre 1868 und 1870 mit dem darauffolgenden Borkenkäferfraß, welche 
solche Verheerungen anrichteten, daß ihnen an 6'5 Millionen Festmeter Holz rm Werthe 
von 16 bis 18 Millionen Gulden ö. W. zum Opfer fielen. Schneebruchschäden, welche 
zumeist die Kiefernwälder gefährden, kommen im Gebirge fast alljährlich vor, doch die 
kolossalen Schneebruchschäden der Jahre 1868 und 1876, die, über das ganze Land 
verbreitet, viele hoffnungsvolle Stangenhölzer vernichteten und große Lücken in die 
Wälder gerissen haben, werden den böhmischen Forstwirthen lange noch m bösem 
Angedenken bleiben. In letzterer Zeit hat der Kiefernspinnerfraß in den Forsten Nord 
böhmens gewüthet und soeben gefährdet die Invasion der Nonnenraupe die Forste 
des ganzen Landes Doch ist ersterer bereits als überwunden zu bezeichnen und dürfte es 
den rechtzeitig getroffenen und energisch betriebenen Vertilgungsmaßregeln gelingen, auch 
den Nonnenfraß zu beseitigen, ehe große Verwüstungen eintreten. 
Innig verwebt und verbunden mit der Forstwirthschaft des Königreiches Böhmen 
ist das Entstehen und die Thätigkeit des böhmischen Forstvereines. Im Jahre 1848 
von mehreren hervorragenden böhmischen Forstwirthen gegründet, zählt derselbe jetzt 
1565 Mitglieder. Dem mächtigen Einflüsse, sowie der unermüdlich rastlosen Thätigkeit des 
nun 22 Jahre das Präsidium des Vereines führenden Fürsten Karl zu Schwarzenberg, 
dieses ersten Gönners und Förderers der Forstwirthschaft Böhmens, hat der Verein
	        
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