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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 2. Abtheilung

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Symphonien u. s. >v. schrieb er in der Folge auch Opern. „Bianca und Giuseppe oder 
die Franzosen vor Nizza", wozu Richard Wagner den Text geliefert hatte, errang 1848 
einen entschiedenen und anhaltenden Erfolg, dessen sich jedoch die zwei späteren „Die 
Waldblume" und „Die Bilderstürmer", nicht rühmen konnten. Es war nur der wohlver 
diente Lohn seiner ersprießlichen Thätigkeit als Director, daß es Kittl vergönnt war, ein 
rauschendes fünftägiges Musikfest zu leiten, durch welches im Juli 1858 das fünfzigjährige 
Bestehen des das Conservatorium erhaltenden Vereines gefeiert wurde. Fremde Künstler, 
darunter viele Celebritäten, mit Louis Spohr an der Spitze, kamen damals in 
stattlicher Anzahl nach Prag, um seinem Conservatorium — bekanntlich dem ältesten 
in Mitteleuropa — einen huldigenden Gruß zu bringen, die böhmischen Musiker aber 
strömten aus nah und fern herbei, um die künstlerische Bilanz eines halben Jahrhunderts 
(namentlich in einem vierstündigen Monstreconcert einstiger Schüler der Anstalt) ziehen 
zu helfen und sich an ihr zu erfreuen. Der berühmte Pianist und Pädagog Ignaz 
Moscheles (1794 bis1870), selbst ein gebornerPrager, dessen Lehrer einstDionys Weber- 
gewesen, war neben Ambros beim Festbankett der beredte Dolmetsch dieser Gefühle. 
Kittl trat 1865 von der Leitung des Konservatoriums zurück und ging nach Polnisch 
Lissa, wo er drei Jahre darauf sein Leben beschloß. Zu seinem Nachfolger wurde der 
damalige Director der Organistenschnle Joseph Krejcl (1822 bis1881) berufen, welcher 
die durch Kittl in eine moderne Strömung gerathene Anstalt wieder in bedenklich con- 
servative Bahnen zu lenken suchte, nach dessen Pensionirung aber der seit 1865 als Professor 
des Violinspiels wirkende ehemalige Jnstitutszögling Anton Bennewitz (geboren 1833 
in Prlvrat bei Leitomischl) mit der Direktion betraut wurde, der zunächst die Concerte 
wieder in näheren Contact mit den Zeitbedürfnissen und Localverhältnissen brachte und 
unter dessen Regime das Conservatorium sein neues Heim im Künstlerhause Rndolphinum 
bezog, jüngst auch seine ganze Organisation zeitgemäß erneuerte und (namentlich durch 
eine Klavierschule) erweiterte. 
Die überaus große Menge tüchtiger, mitunter ausgezeichneter Musiker, welche das 
Prager Conservatorium im Laufe von achtzig Jahren herangebildet hat, kann hier nur 
durch einige wenige der bekanntesten und klangvollsten Namen angedeutet werden, wobei 
wir uns selbstverständlich auf die einheimischen Künstler beschränken. Den Reigen der 
Komponisten eröffnet der bereits erwähnte Donaueschinger Kapellmeister Johann Kali- 
woda. Sein Zeitgenosse Franz Gläser (aus Obergeorgenthal, gestorben 1862 als Hof 
kapellmeister in Kopenhagen) war ein fleißiger Theatercomponist, dessen Oper „Des Adlers 
Horst" (1830) einst viel gegeben wurde. Auch Josef Labitzky's Name (ans Schönfeld 
bei Eger, 1802 bis 1881) darf hier nicht fehlen: wurde doch der Schöpfer der renommirten 
Karlsbader Curkapelle zur Zeit der ersten Blüte der österreichischen Tanzmusik als Dritter
	        
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