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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 2. Abtheilung

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von  Teplitz  durchdringen;  die  Klüfte  setzen  aber  auch  den  Pläner  durch.  Welchen  Weg
auch  immer  die  in  dem  Erdinneren  erwärmten  Quellenwässer  nehmen,  um  schließlich  durch
jene  Porphyrspalten  nach  Teplitz  und  Schönau  zu  gelangen,  so  ist  doch  jede  zwischen  dem
bergmännisch  durchwühlten  Braunkohlengebirge  und  dem  zerklüfteten  Porphyrgebirge
hergestellte  Communication  (Löcherung)  für  die  Teplitzer  Quellen  gefährlich,  denn  diese
nehmen  dann,  anstatt  nach  Teplitz,  den  einfacheren  Weg  durch  die  hergestellte  Öffnung
in  die  tiefer  gelegenen  Grubenbaue,  füllen  dieselben  aus  und  steigen  schließlich  auf  das
gleiche  Niveau  in  den  Gruben,  wie  in  Teplitz;  dieses  Niveau  ist  aber  namhaft  tiefer  als
das  Niveau  der  Teplitzer  Badehäuser,  das  heißt  in  Teplitz  muß  dann  das  Thermalwasser
aus  dieser  Niveau-Tiefe  heraufgepumpt  werden,  die  betreffenden  Grubenbaue  sind  aber
bis  zu  dem  Niveau  ersoffen.  Gelingt  es  nun,  die  unglückliche  Öffnung  künstlich  zu  verstopfen, ­
  so  können  die  Grubenbaue  wieder  in  Betrieb  kommen  und  die  Thermalwässer
nähern  sich  in  Teplitz  ihrem  früheren  Zustande,  ohne  jedoch  denselben  je  genau  wieder  zu
erreichen,  denn  die  entstandene  Wunde  vernarbt  nie  ganz,  ja  bei  forcirter  Heilung  entsteht
bekanntlich  nahe  der  alten  leicht  eine  neue  Wunde.  Was  hier  schematisch  dargestellt  ist,
widerfuhr  den  bis  dahin  unversehrt  gebliebenen  Teplitzer  Quellen  das  erstemal  1879  infolge
)es  Eindringens  eines  Querschlages,  welcher  vom  Döllingerschacht  (bei  Dux)  ostwärts
getrieben  wurde,  in  den  Teplitzer  Porphyrstock.  Nach  mannigfachen,  oben  angedeuteten
Drangsalen  (wobei  in  Betreff  des  Ersäufens  die  nachbarlichen  Kohlengruben  „Fortschritt",
„Nelson",  „Victorin"  und  „Gisela"  ins  Mitleid  gezogen  wurden),  gelang  die  Verstopfung
des  Wasserdurchbruches  durch  die  Herstellung  mächtiger  unterirdischer  Wasserdämme,  welche
das  Thermalwasser  von  den  Grubenbauen  fernhielten  und  in  seine  ehemaligen  Wege  nach
Teplitz  zurückdrüngten.  Jegliche  Gefahr  schien  so  behoben;  doch  schon  1887  kam  man  in
der  „Victorin"-Grube  mit  einem  durch  Kohlengewinnung  hergestellten  Hohlraume  einer
Quellenspalte  zu  nahe,  durch  deren  hydraulischen  Druck  die  Felsenwand  der  Sohle
gesprengt  und  eine  zweite  Quellen-Katastrophe  herbeigeführt  wurde.  Es  gelang  jedoch
schließlich  wieder  die  Verstopfung,  indem  mau  den  Hohlraum  in  der  Grube  (von  oben
herab)  mit  Beton  ausfüllte.  Doch  nicht  lange  währte  der  wieder  einigermaßen  erreichte
„skakus  quo  auto«;  1892  brach  das  Unglück  in  „Victorin"  an  früherer  Stelle  wieder
herein  und  ist  bis  heute  nicht  behoben.  —  Von  einer  Katastrophe  anderer  Art  wurde  1895
die  Stadt  Brüx  heimgesucht.  Am  19.  Juli  in  später  Abendstunde  und  in  der  darauffolgenden ­
  Nacht  find  an  zwanzig  Häuser  des  schönsten  Stadttheils  nahe  dem  Bahnhofe
eingestürzt  und  viele  andere  schwebten  in  größter  Gefahr;  dies  geschah  infolge  einer  rapiden
Terrainsenkung,  herbeigeführt  durch  die  Bewegung  einer  Schwimmsandschicht,  welche,
unterirdisch  bis  Brüx  reichend,  in  dem  westlich  benachbarten  Grubenfelde  des  Annaschachtes
bei  Tschausch  angefahren  und  in  die  dortigen  Gruben-Hohlräume  abgezapft  wurde.
            
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