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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 2. Abtheilung

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Alle diese Jndustrialwcrkc überwachte er persönlich; dabei versäumte er nicht die Pflichten 
seines öffentlichen Amtes — er war seit 1763 Präsident des böhmischen Commercien- 
Consesses — allerwärts anregend, unterstützend und fördernd. Den Grafen Vincenz 
Waldstein bewog er, in Gemeinschaft mit dem Grafen Franz Josef Kinsky, einem Vetter- 
Josef Maximilians, das Schloß Weißwasser zu einem „Manufactnrhause" 
umzugestalten, einer Art Fach- und Fortbildungsschule in den verschiedensten Industrie 
zweigen, zunächst für die Kinder der Armen, um „Publicum und Land von dem Nachwuchs 
mittelloser und ausschweifender Leute zu reinigen", womit denn auch im Jahre 1765 der 
Anfang gemacht wurde. 
Im letztgenannten Jahre wird die Zahl der „Fabrikanten", das heißt der 
selbständigen Gewerbe-Unternehmer Böhmens, mit 45.740, die Zahl der Spinner aber 
mit 205.534 angegeben. Den ungefähren Werth der gewerblichen Erzeugnisse des Landes 
schätzt Josef M. Kinsky auf 9,250.384, jenen des Jahresexportes auf 1,869.410 Gulden. 
Den Löwenantheil nach beiden Richtungen nimmt die Leinenmanufactur in Anspruch. 
Ihr Productionswcrth allein stellt sich ans nahezu dreieinhalb Millionen, ohne die 
Leinengarne im Werthe von 330.436 Gulden. Dazu kommen aber auch noch die Werthe 
der Lcinenband-, der Battist- und Schleier-, der Tafelzeug- und der Spitzen-, sowie der 
Zwirnindustrie, die gleichfalls mit mehr als 300.000 Gulden zu berechnen sind. Die 
Spitzenklöppelei, versichert Kinsky, ist „dermalen schon eine der beträchtlichen Nahrungen 
der Landesinwohner". Der Leincnindustrie zunächst steht die Wollenweberei, deren 
Tucherzeugnisse einen Werth von 1,734.996 Gulden repräsentiren, während die Strumpf 
wirkerei und -Strickerei einen solchen von 506 016 Gulden abwirft. An dem allgemeinen 
Fortschritt — trotz mannigfacher Störungen — participirt vor Allem Reichenberg als 
Tuchstadt, in der auch die Strnmpfwirkerei noch in der Zunahme begriffen ist. Die größte 
Zahl der Meister dieses Handwerkes (man zählte 1406 Strumpfwirkerstühle im Lande) finden 
sich in Graupen, dessen respective Zunft erst 1756 errichtet worden war, dann aber 
in Böhmisch-Kamnitz, Dux, Oberleutensdorf, Niemes, Chrudim, Strakonitz 
und Humpolec. Nur sechs Meister in Kuttenberg brachten jährlich mehr als 3000 
Dutzend Strümpfe zu Markte; die gleiche Menge wurde in Neustadt! (Kreis Pilsen) 
„durch die mittlere Jugend und alte Leute zu Verminderung des Müßigganges verfertiget". 
Eine Fabrik dieses Zweiges stand im Markte Bela (Kreis Caslan). 
Die Schafwoll-„Zeugmacherei" betreffend, meldet Kinsky: „Im Königgrätzer, 
Elbogncr und Leitmeritzer Kreise ist auch diese verfallene Manufactur wiederum in Gang 
gebracht und insbesondere in Kladrub, Dobruska, Jenikau und Töpel nun derlei 
Fabriken errichtet worden". Die Baumwollindustrie ist erst noch im Werden. Doch 
kann von der Cottonfabrik zu Cosmanos bereits gesagt werden, daß sie „nunmehr zu
	        
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