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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 2. Abtheilung

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zu versorgen", wurde der böhmischen Industrie erst in den letzten Decennien nutzbar 
gemacht. Graf Albert Nostitz in Tarmitz war der Erste, der bei dem Kohlenbergbau 
den Maschinenbetrieb einsiihrte (1857). Seither stieg die Kohlenförderung in diesem 
Reviere auf jährlich eine Milliarde Zollcentner. Damit ging der Ausbau des Eisenbahn 
netzes im nordwestlichen Böhmen Hand in Hand, damit aber auch die außerordentliche, 
stetige Hebung und Förderung der Industrie jenes Landestheils, speciell der Verwaltungs 
bezirke Aussig-Teplitz. Bereits im Jahre 1858 entstand die chemische Fabrik in Aussig, 
das größte continentale Unternehmen dieser Art. Da aber das von weiland Kaiser Josef ll. 
aufgestellte Problem der Anwendung der Kohlenfeuerung bei der Glasindustrie allerdings 
bereits gelöst war, so war es eine natürliche Folge, daß in genanntem Reviere nach seiner 
ganzen Ausdehnung eine sehr große Zahl Erzeugungsstätten eben ihrer Gattung (für Tafel- 
und Hohlglas) errichtet wurde, darunter vor Allem die der Nussiger Glashütten 
gesellschaft (1871) und die Fabriksanlagen von Friedrich Siemens zu Neusattel- 
Elb o gen (1878). Unter den übrigen namhaften Gründungen kann selbstverständlich 
jene des Teplitzer Walzwerkes nebst Bessemerhütte (1873) nicht vergessen werden. 
Von Anfang an betheiligte sich Böhmen an den modernen Friedensfesten der con- 
currirenden industriellen Welt, den internationalen Ausstellungen in London, Paris, 
Wien n. s. w., allerwärts mit anerkannt durchschlagendem Erfolge. Nach mehr als fünfzig 
jähriger Unterbrechung wurde in Prag auch wieder eine Land es-Industrieausstellung 
(1891) abgehalten, die sich des Allerhöchsten Besuches und der vollsten Anerkennung 
Seiner Majestät des Kaisers erfreute. Je mehr wir uns der Gegenwart nähern, desto 
ansehnlicher häuft sich die Masse industriegeschichtlichen Details, das sich in Kürze nicht 
mehr bewältigen läßt. Jedwedes Ganze aber — das zeigt sich wohl nirgends deutlicher 
als in der Geschichte des Handels und der Industrie — wird schließlich doch nur von 
Einzelnen getragen und die größere oder geringere Bedeutung der Individualitäten läßt 
eben die Gesammtheit groß oder klein, Werth oder unwerth erscheinen. In erster Linie 
maßgebend für die von nun an wohl unbestrittene, weil ganz unbestreitbare Thatsache 
der führenden Stellung Böhmens in allen Volks- und staatswirthschaftlichen Belangen 
Österreichs war der Reichthum dieses Landes an geeigneten, tüchtigen Persönlichkeiten 
auf den hier in Frage kommenden Gebieten. Relativ nur Wenigen von ihnen konnte an 
dieser Stelle andeutungsweise ein bescheidener Nachruf gewidmet werden; den Lebenden 
möge die Nachwelt die gebührende Würdigung wiederfahren lassen. 
Mehr als Worte, ja mehr als Namen beweisen Zahlen. Es möge gestattet sein, am 
Schlüsse wieder zum Anfang znrückznkommen und dem dort, in der Einleitung, Gesagten 
eine ziffermäßige Übersicht der industriellen Production Böhmens auf Grund der 
statistischen Erhebungen (vom Jahre 1890) beizufügen.
	        
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