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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Böhmen, 2. Abtheilung

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Ähnliche Verhältnisse wie in diesen: großen Thermalgebiete zeigen sich auch ander 
wärts. Die Säuerlinge von Liebwerda treten unmittelbar unter dem Bruchrande hervor, 
welcher das Jscrgebirge aus der Nordseite Plötzlich gegen das deutsche Tiefland abschneidet. 
Johanuisbad im Riesengebirge liegt an einer Bruchspalte, dem Aupathal, die gegen Norden 
verlängert, nach Warmbrunn in Schlesien fuhrt. Sie ist zur Senkung zwischen dem Böhmer 
wold und Kaiserwald parallel und hat eine nachweisbare Bedeutung für die Gestaltung des 
Riesengebirges. Die Verschiedenheit unserer Heilwässer erklärt sich zunächst aus der Mannig 
faltigkeit der Gesteine, welche sie durchlaufen, ehe sie zutage treten. Vieles ist hiebei noch 
ein Geheimniß, denn nicht immer stimmt der Mineralgehalt der Quellen mit den Gesteinen, 
aus welchen sie hervortreten, überein, so daß man wohl annehmen muß, sie müssen auf 
ihrem unterirdischen Laufe mit anderen, nicht zutage tretenden in Berührung kommen. 
Die 40 bis 45 Grad Celsius warmen Thermen von Teplitz und Schönau, welche 
auf zwei nahen, Parallelen Spaltenzügen hervvrtreten, entspringen ans Qnarzporphyr, den 
man bisher durch Tiefbohrung bis 400 Meter hinab verfolgt hat. Dem außergewöhnlich 
schwer zersetzbaren Gestein entspricht die Beschaffenheit der Wässer, die an festen Bestand- 
theilen sehr arm sind. Die an kohlensaurem Natron reichen Sauerquellen von Bilin treten 
zwar aus Gneiß hervor, nehmen aber ihre mineralischen Bestandtheile aus einem in der 
unmittelbaren Nähe auftretenden Feldspatbasalt. Viel schwerer erklärt sich der Ursprung 
der mineralischen Bestandtheile der Karlsbader und der bis auf die Temperatur beinahe 
gleichen Marienbader Wässer. Diese treten beide aus Spalten im Granit hervor, 
welcher wohl einen großen Theil der gelösten Stoffe, aber doch nicht alle zu liefern 
vermag. Die Quellen von Franzensbad sind den zuletzt genannten wohl ähnlich, der 
bemerkbare Unterschied aber läßt sich ganz gut daraus erklären, daß sie an der Grenze 
zwischen krystallinischen Schiefern und Granit hervortreten. Ta sie als fertige Wässer 
schon in die darüber liegenden jüngeren Gebilde gelangen, vermögen sie ans diesen auf 
einem verhältnißmäßig sehr kurzen Wege nichts oder nur wenig mehr aufzunehmen. 
Die sogenannten Bitterwässer ausgenommen, welche ihren Gehalt an schwefelsaurer 
Magnesia durch Auslaugung von Mergeln gewinnen, die zumeist der Braunkohlen 
formation angehören und in der Gegend zwischen Bilin und Brüx, um Saidschütz, Sedlitz, 
Püllna auftreten, gilt Ähnliches auch für die übrigen vielen Mineralquellen, von denen 
inlmer wieder einzelne in den Bereich der Heilwässer gezogen werden, um die sich stets neue, 
allen Anforderungen unserer verwöhnten Zeit entsprechende Kurorte entwickeln, so daß 
die Zahl derselben längst nicht mehr, wie zu Anfang unseres Jahrhunderts, auf die vier 
berühmtesten, Teplitz, Karlsbad, Franzensbad und Marienbad beschränkt ist, sondern das 
Zehn- ja Zwanzigfache erreicht hat, die alljährlich eine größere oder kleinere Anzahl von 
Genesung und Erholung Suchenden versammeln.
	        
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