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tragische Oper „bisvostn Llossinsicü" (die Braut von Messina, nach Schillers Trauerspiel),
ein meisterhaftes Musikdrama, das in seiner alle Nachgiebigkeit gegen den
herkömmlichen Operngeschmack ausschließenden Stilconsequenz den idealen Zielen
Wagners ungleich näher steht als irgend eine andere böhmische Oper, in seinem gediegenen
durchwegs vornehmen musikalischen Inhalt aber die persönliche Eigenart ihres Schöpfers
zum treuesten Ausdruck bringt. Da überdies die Declamation des böhmischen Wortes, der
bis dahin nur Smetana in seinen Opern allmälig volle Geltung zu verschaffen wußte,
in der „i^evsstn NoLsinsIcü" eine unübertroffen tadellose ist, erscheint Fibich in diesem
Werke als Erbe und Fortsetzer der fortschrittlichen Tendenzen des eben genannten
Meisters speciell auf dramatischem Gebiete. Auch seine alle Kunstformen ebenmäßig
beherrschende Vielseitigkeit erinnert an Smetana; so entstanden seit 1875 — um nur die
bedeutenderen Jnstrumentalwerke hervorzuheben — nebst weiteren Kammercompositionen
und Ouvertüren (zu Shakespeares „Sturm", zu Vrchlickys Lustspiel „Eine Nacht auf
Karlstein", zur Comenius-Feier) eine Prächtige, heiter bewegte Symphonie (b'-vnr), eine
von tief poetischer Frühlingsstimmung getragene symphonische Dichtung „Vesrin" (Lenz),
nicht zu vergessen zwei reizende Kabinetsstücke, die ursprünglich für das Clavier
geschriebenen, dann aber orchestrirten „Vigilien".
Eine besondere Vorliebe für das Melodram — den genannten Werken dieser
Gattung fügte Fibich später noch einige andere, ebenfalls für den Concertvortrag bestimmte
hinzu — führte ihn zu dem kühnen Gedanken, ein ganzes Bühnendrama melodramatisch
zu begleiten. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts hatten sich Georg Benda und seine
Nachahmer in ihren „Monodramen" und „Dnodramen" auf einzelne Scenen und wenige
handelnde Personen beschränkt und, mit nur seltenen Ausnahmen, die Declamation nicht
durch zusammenhängende Musik begleitet, sondern durch Zwischenspiele (nach Art des
alten Recitativs) vielmehr zerklüftet. Diese selbstständigen scenischen Melodramen
geriethen indeß mit der Zeit in Vergessenheit, und seitdem finden sich nur hier und da in
Opern und Schauspielen, doch selbst von den größten Meistern einzelne Scenen melodramatisch
behandelt und dabei endlich mitunter (wie in Schumanns „Manfred") Wort
und Melodie gleichzeitig fortlaufend angewendet. Dies Alles bot höchstens spärliche
Anhaltspunkte, aber keine Vorbilder für das, was Fibich im Sinne hatte, als er 1888 —
also nach mehr als hundert Jahren wieder ein Böhme als Bahnbrecher auf diesem
Gebiete — an die Composition nicht Eines Drama, sondern gleich einer ganzen Trilogie,
„Hippodamia" von Jaroslav Vrchlicky, herantrat. Die drei Tragödien ,?6lox>ov^
(Pelops' Brautwerbung), „Tnntnlnv smir- (Die Sühne des Tantalus) und
,8mrl llip^ockninis" (Hippodamias Tod) wurden 1890 bis 1891 im Prager Nationaltheater
mit einem Erfolge aufgeführt, der die vielumstrittene Frage nach der künstlerischen