MAK

Volltext: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Mähren und Schlesien

in die Landtafel einzulegen. Die segenbringende Thätigkeit dieses seltenen Mannes ruhte 
auch nicht, als König Wladislav nach Matthias' Tode die Regierung in Mähren antrat 
(1490). Obwohl von einem der ältesten Herrengeschlechter des Landes abstammend, 
befürwortete Ctibor die Gewährung der mehrjährigen Forderung des Ritterstandes, daß 
auch Mitglieder dieses Standes unter die Beisitzer des großen Landrechtev (auch Herren 
gericht genannt) ausgenommen werden sollten, und er bewirkte auch, daß sechs Personen 
des Ritterstandes ins Landrecht berufen wurden (1192). Damals wurde auch, um den 
zeitraubenden Streitigkeiten bezüglich der Rangordnung ein Ende zu machen, eine genaue 
Sitzordnung für den Herren- und Rittcrstand festgesetzt und bestimmt, daß der König die 
obersten Landesbeamten nur mit dem Beirath der Herren und nur ans den Herrensamitien 
ernennen solle. Im folgenden Jahre (l493) wurde eine einheitlichere Geschäftsführung 
bei der Landtafel durch die Bestimmung eingeführt, daß künftighin nur ein Kämmerer 
die beiden Landtafeln in Olmütz und Brünn zu leiten habe, während bis dahin jede ihren 
eigenen Kämmerer hatte. Die Ruhe des Landes wurde durch strenge Verordnungen gegen 
die Landesschädiger geschützt und die angeordneten Maßregeln hatten mehr als in früherer 
Zeit Erfolg, weil sie auch wirklich mit unerbittlicher Strenge angewandt wurden. Zwar 
wurden nicht alle Schäden verbessert und nicht alle Lücken in der öffentlichen Verwaltung 
ausgefüllt, namentlich konnte die Verbreitung einer neuen Religionsgenossenschaft, der 
böhmischen Brüder, ans Böhmen nach Mähren nicht verhindert werden, durch welche die 
schon bestehende Spaltung im Lande noch mehr erweitert wurde, aber Ctibors von 
Cymburg Verdienst bleibt es, daß König Wladislav seinem Sohne Ludwig in Mähren 
ein für jene bewegte Zeit leidlich gut verwaltetes Land hinterlassen konnte. Zwei Tage 
vor seinem Tode (gestorben 13. März 1516) richtete der König von seinem Sterbebett ein 
rührendes Schreiben an die mährischen Stände, in welchem er ihnen für die ihm erwiesene 
Treue dankte und sie bat, dieselbe Treue seinem Sohne zu bewahren. 
Da König Ludwig noch minderjährig war, übertrugen die mährischen Stünde die 
Vormundschaft über ihn an Kaiser Maximilian I. und König Sigmund von Polen, um in 
seinem Namen die landesherrlichen Rechte in Mähren auszuüben. Ludwig selbst trat die 
Regierung an im Jahre 1520, also in demselben Jahre, in welchem seine Schwester Anna 
dem Erzherzog Ferdinand von Österreich angetrant wurde. Ludwig regierte selbständig 
kaum sechs Jahre; er fand ans der Flucht aus der Mohaczer Schlacht (29. August 1526) 
seinen Tod. Da er kinderlos starb, so war der Moment gekommen, in welchem die seit 
längerer Zeit geplante, einigemal auch theilweise und zeitweilig durchgeführte Vereinigung 
der böhmischen, ungarischen und österreichischen Lande unter einem Scepler zum Heile 
aller dieser großen Ländercomplexe für die Dauer ins Leben treten konnte und auch wirklich 
ins Leben trat.
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.