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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Mähren und Schlesien

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Mähren. 
Bezirken des Landes, insbesondere in jenen mit größerer Dichtigkeit der Bevölkernng 
häufiger stattzufinden pflegen, aber auch von einer größeren Kindersterblichkeit begleitet 
sind. In den Sudetengegenden, deren Bewohner wegen des wenig erträglichen Bodens 
zuweilen nur mit Schwierigkeiten einen eigenen Hausstand zu gründen vermögen, ist die 
Anzahl der unehelichen Geburten häufiger als im übrigen Lande. 
Die Sterblichkeit der Bewohner Mährens, welche gleichfalls in den dicht 
bewohnten Niederungen im Centrum des Landes, sowie in den in sanitärer Beziehung 
minder entwickelten Gebirgsbezirken an der mährisch-ungarischen Grenze und im Bezirke 
Mistel wegen der eigenartigen Jndustrieverhältnisse eine höhere zu sein pflegt als in den 
übrigen Landestheilen, kommt der mittleren Sterblichkeit des österreichischen Staatsgebietes 
nahe und beträgt im zehnjährigen Durchschnitt 28 Todesfälle auf 1000 Einwohner. 
Infolge der bereits 12 Jahre bestehenden Organisation des Sanitätsdienstes 
in den Gemeinden — der ersten durchgreifenden Sanitätsorganisation in Österreich — 
und der hierdurch ermöglichten gründlicheren Bekämpfung der Infektionskrankheiten ist die 
Sterblichkeit an diesen Krankheiten und die allgemeine Mortalität gegenüber früheren 
Zeiten auf ein wesentlich geringeres Maß gesunken. Hierdurch sind ohne Zweifel auch 
manche Gebrechen seltener geworden, welche wie Blindheit, Taubheit, Krüppelhaftigkeit oft 
in der Kindheit durch vernachlässigte Erkrankungen acquirirt werden. In dieser Beziehung 
nimmt Mähren unter den Reichsländern eine verhältnißmäßig günstige Stelle ein. 
Nach den Ergebnissen der letzten Volkszählung kamen in Mähren auf 10.000 Ein 
wohner nur 8 bis 9 Blinde, 14 Taubstumme, 16 Irrsinnige und 6 Cretins. Während die 
Blinden im Allgemeinen gleichmäßig spärlich im Lande vertheilt sind, wenn auch eine 
Zunahme da wahrzunehmen ist, wo Jnfectionskrankheiten und namentlich Blattern 
häufiger herrschen, liegt das Gebiet der größten Relativzahlen von Taubstummen, 
Cretins, Blöd- und Irrsinnigen im Nordosten des Landes in den Bezirken Walachisch- 
Meseritsch und Holleschau, von wo aus es sich in westlicher Richtung, die Sudeten 
berührend, mit abgeschwächter Intensität bis in den Boskovitzer Bezirk erstreckt, nach 
Süden in den Ungarisch-Broder Bezirk, nach Norden in den Misteker Bezirk übergreift. 
In manchen dieser Gegenden kann der verderbliche Einfluß des leider verbreiteten 
Branntweingennsses auf den menschlichen Organismus sowohl in Bezug auf die 
Degeneration des Nervensystems als auf die minder günstige Entwicklung der Nachkommen 
schaft nachgewiesen werden. 
Wir haben neben den vorwiegenden erfreulichen Thatsachen nicht die Schäden 
verschwiegen, mit welchen der Bevölkerungsorganismus Mährens behaftet ist, Schäden, 
die, zum Theile verbesserungsfähig, das kraftvolle Gedeihen der im Kern gesunden 
Bevölkerung zu bedrohen nicht im Stande sind. 
tt
	        
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