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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Mähren und Schlesien

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Scheune oder auf einem dazu besonders hergerichteten Platze. Bei Müglitz wird bei der 
Weizenernte absichtlich ein kleines Stück stehen gelassen und erst dann, wenn der Festzug 
beginnt, von der „Weizenbraut" geschnitten. 
Am dritten Sonntag im Monat October wird das Kirchweihfest (Kaiserkirchtag) 
gefeiert. Es ist ein dreiTage währendes Volksfest. Samstag zuvor in den Abendstunden wird 
auf einem ebenen Platze — zumeist vor dem Orts-Rathhause — der Maibaum aufgerichtet. 
Er ist mit Äpfeln und anderem Obst behängen, sein vornehmster Schmuck aber ist (in der 
Sprachinsel um Brünn) ein Seidentüchlein, das der „erste Altbursch", das Haupt des Ver 
gnügungsausschusses der tanzlustigen Jugend, von der „Altdirn", das ist seiner Liebsten, 
erhalten hat und das nun als ein Fähnlein von der Spitze des Baumes herabweht. Die 
Aufstellung des Maibaumes wird natürlich durch einen ausgiebigen Trunk, an dem nicht nur 
die Jungen, sondern als wohlwollende Berather auch die Alten theilnehmen, im Ortswirths- 
hause gefeiert. Der Vormittag des Sonntags ist religiösen Pflichten gewidmet. Predigt 
und Hochamt dürfen nicht versäumt werden. Auch dem nachmittägigen Segen wohnen die 
meisten aus der Schaar der Jugend bei. Kaum ist dieser jedoch zu Ende, so erklingen von 
dem um den Maibaum herum gelegenen Tanzplatze die fröhlichen Rufe der Musik. Die 
Jünglinge, deren Händen die ganze Veranstaltung anvertraut ist, rücken in geordnetem 
Zuge aus dem Rathhause auf den Tanzplatz; Altbursch und Altdirn eröffnen den Tanz. 
Langsam kommen die anderen jüngeren Leute aus dem Dorfe heran, und das Herz manches 
Mägdleins, das zum ersten Male zum Tanze geht, schlägt stürmisch unterm Mieder. 
Langsam, geschämig, mit niedergeschlagenen Augen naht sie sich der fröhlichen Versammlung. 
Es dauert aber nicht lange, da hat auch sie der tolle Wirbel erfaßt. Die Bauern sind 
Aristokraten: Knechte und Mägde dürfen nicht auf ihrem Platze tanzen, sie müssen sich einen 
eigenen Tanzboden aufsuchen. Von sechs bis sieben Uhr Abends ist Raststunde, damit man 
zu Hause „das Vieh verrichten" kann. Dann wird wieder weiter getanzt, oft bis zum 
Morgengrauen. Am Montag beginnt Nachmittags nach drei Uhr der Tanz aufs neue und 
setzt sich wieder bis nach Mitternacht fort. Dienstag hat die meisten der fröhlichen Gesellschaft 
bereits einige Müdigkeit ergriffen: beides, das Tanzen und der Wein, hat zusammen 
gewirkt, doch sobald die Klänge der Musik erschallen, ist Alles vergessen und munter dreht 
sich wieder die Menge im Kreise. Zumeist wird im Freien getanzt, häufig genug aber 
zwingt die Ungunst der Witterung die inneren Räume einer Gastwirthschaft aufzusuchen. 
(Im südlichen Mähren ist das Ausstellen des Maibaumes anläßlich des Kirchweihfestes 
überhaupt zumeist abgekvmmen.) Und abermals Samstag, acht Tage nach der Aufstellung 
des Maibaumes, wird derselbe wieder gestürzt; den die Spitze bildenden Tannenwipfel mit 
seinem Schmucke nimmt der erste Altbursch in seinen Besitz. Darnach schließt ein fröhliches 
Zechen den Reigen der Festtage.
	        
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