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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Mähren und Schlesien

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Zur Hochzeit wird geladen, „wo ein Fenster ist", das heißt von Haus zu Haus. 
Die Einladung wird gewöhnlich dreimal wiederholt, denn die gute Sitte fordert, daß 
sich der Geladene „recht schön" bitten lasse. Zuerst, Sonntag nach dem ersten Aufgebot, 
ladet der Bräutigam mit der Braut. Am Montag vor der Hochzeit wiederholt die 
Einladung der Bräutigam mit dem Brautwerber und gleich nach ihnen die Braut mit 
der ersten Kranzeljungfer. Wer zur Hochzeit zu kommen gedenkt, reicht dem Ladenden ein 
Brot. Der Brautwerber schneidet davon ein Stückchen ab und hebt es auf. Die Brotschnitte 
werden dann gezählt, damit man wisse, auf wieviel Hochzeitsgäste man beiläufig rechnen 
solle. Wer am Hochzeitstag nicht rechtzeitig eintrifft, um den wird noch ein Brautführer 
geschickt. 
Montag abends bringen die Musiker dem Bräutigam und der Braut ein Ständchen 
dar. Dienstag früh versammeln sich beim Bräutigam der Brautwerber, die Braut 
führer und die Gäste aus der Verwandtschaft und Freundschaft des Bräutigams; bei 
der Braut die Brautmutter (sturü svatlca), die Kranzeljungfern, der Sprecher der 
Braut (kecmlch und andere Gäste. In beiden Häusern steht für die Gäste ein frugales 
Frühstück bereit. Nach dem Frühstück machen sich die beim Bräutigam versammelten Gäste 
auf den Weg zum Hause der wartenden Braut. Hat diese ihr Domicil in einer anderen 
Gemeinde, so stehen vor dem Hause des Bräutigams die nöthigeu Fuhrwerke für die 
Gäste bereit. Wie ein Hochzeitslied besagt, wünscht sich die hauuakische Braut, der 
Bräutigam möge sie abholen kommen mit 30 Rossen, die Räder am Wagen sollen sein 
von Lebzelt, die Wagenslechten von Zucker, die Rosse mögen mit Gold bedeckt und die 
Peitsche von Gold sein und der Herzallerliebste im Purpurgewande prangen. 
Wenn auch dieser poetische Wunsch nicht haarklein in Erfüllung ging, so bot doch 
der hauuakische Hochzeitszug einen prächtigen, malerischen Anblick. Die Fuhrwerke waren 
zwar in früheren Zeiten gewöhnliche Leiterwagen, aber auf die Ausrüstung derselben, 
namentlich der Rosse, wurde die größte Sorgfalt verwendet. Vor den für die Braut 
bestimmten Wagen waren sechs Pferde, womöglich von gleicher Farbe und Größe gespannt, 
die übrigen Wagen waren vier- und zweispännig. Geschmückt waren sümmtliche Rosse mit 
zierlichem Hochzeitsgeschirr, die Schweife und Mähneu mit rothen Bändern durchflochten, 
von ihren Köpfen wallten mächtige Federbüsche herab. Der Bräutigam und die Braut 
führer ritten ebenso reich geschmückte Rosse, denen sie noch außerdem um die Brust ein 
sogenanntes Leipziger Tuch banden, das der Bräutigam von der Braut, die Brautführer 
von ihren Kranzeljungfern zum Geschenke erhielten. Außer ihrer malerischen Nationaltracht 
trugen die Reiter eine rothe oder Weiße Schürze, die ihnen als Sattel diente. 
Beim Brauthause angelangt, finden sie die Thüre verschlossen. Nach längeren 
Reden und Gegenreden und nach entsprechenden Wechselgesäugen wird geöffnet, und der
	        
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