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Katharinenlegende von einem unbekannten, aber frischen Dichtertalent, dessen Wiege
muthmaßlich in Mähren stand und die den: Katharinencultns Karls IV. entsprungen ist.
Der Kampf des hinsiechenden Heidenthnms mit der siegreich vordringenden Christenheit,
sinnliche Liebe und engelreine Religiosität, innigste Ergebenheit, gepaart mit heroischem
Mürtyrersinn, finden da trotz einiger Breiten hochpoetischen Ausdruck. Durch Vermittlung
unseres erlauchten Kaisers Franz Joseph kam die einzige Handschrift dieses auch sprachlich
höchst werthvollen Denkmals aus jahrhundertelangem Versteck in der Stockholmer
Bibliothek mit zwei bisher unbekannten Sammlungen vollständiger und prachtvoll
ausgestatteter Bibelübersetzungen in die Heimat wieder zurück und wird jetzt im Brünner
Landesarchiv aufbewahrt.
Karl IV. wußte aber nicht nur Wissenschaft und Kunst, sondern auch das leibliche
Wohl der Bevölkerung zu fördern. Wie immer und überall, hatte auch hier der gehobene
Wohlstand freiere Sitten und üppigere Lebensformen zur Folge, die, durch die gleich
zeitigen Verirrungen der kirchlichen Macht genährt, nachdenklichen Glaubensschwärmern
und Sittenpredigern Anlaß boten, gegen dieselben aufzutreten und die Gegensätze zwischen
Wirklichkeit und Ideal schonungslos hervorzukehren. Vorzüglich war es der königliche
Kanzleiregistrator Jan Milic aus Kremsier, der, seinen Würden entsagend, das böhmische
Volk für reinen Glauben und strenge Sittenübnng zu gewinnen suchte, in der That auch
zahlreiche Anhänger und Schüler fand (unter andern den Begründer der böhmischen
Philosophie und bedeutendsten Prosaiker der altböhmischen Literatur Thomas von Stitne)
und so die husitische Bewegung vorbereitete.
Die Stürme der Husitenkriege durchbrausten Mähren ohne besonders nachtheilige
Folgen. Hus' Lehre fand hier zahlreiche Bekenner, und so wurde der Boden für die
spätere Brüderunität geebnet. Die böhmische Sprache gewann die Oberherrschaft in Amt,
bei Gericht, in Kirche und Schule, bei dem Adel und in den Städten. Die Gerichtsstühle
führten fortan böhmische Klage- und Spruchbücher (die Olmützer und Brünner Lrnlr^
pülioriirö a NÜ1070V6, mit dem Jahre 1405 beginnend, hat V. Brandl publicirt). Unter
Georgs weiser Regierung lenkte sich der Sinn allmälig wieder den Wissenschaften und
Künsten zu. Mähren bietet von da an ein herzerfrischendes Bild. Den Rnhmesreigen der
großen Geister eröffnet Herr Ctibor Tovacovsky von Cimburk, der Sohn des
mährischen Landeshauptmanns Jan Tovacovsky von Cimburk und später selbst Landes
hauptmann von Mähren und oberster Kanzler von Böhmen. In seiner Person vereinigen
sich alle Vorzüge eines umsichtigen Staatsmanns, tapferen Kriegers, opferwilligen
Förderers des geistigen Lebens und bezaubernden Gesellschafters. Von Georg, dann
wieder von Vladislav und Matthias Corvinus mit fast königlicher Macht ausgestattet,
wird er von allen als „Born der Weisheit" angesehen: er findet in der That bei seiner