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Die dramatische Muse schwieg lange Jahre. Nach Gustav Pfleger und dem Lust
spieldichter A. H. Sokvl brach das Schweigen nur Frau Gabriela Preisovä. Diese griff
kühn und frei ins volle Leben des Slcwakenstammes und verstand dessen gesellschaftliche
Conflicte bühnenkundig wiederzuspiegeln (dcmckina robu, Ich! pastorl^cm). Ihr folgte
dahin Wilhelm Mrstik, dessen Marysa ihre Lebenskraft auch auf der Bühne des
Prager Landestheaters nachwies. Das böhmische Nationaltheater in Brünn berechtigt
zur Hoffnung, daß es der dramatischen Dichtungsart den unentbehrlichen Rückhalt
bieten wird.
In der schönen Prosa stehen neben ?. Vaclav Kosmäk die Damen Gabriela Preisova
und Frantiska Straneckä obenan. Kosmäk ist der Homer des mährischen Volkes.
Unübertrefflich in der Charakteristik, voll sprudelnden Humors und mit der Lauge der
Satire nicht schonend, gibt er auch feinen poetischen Sinn kund. Er versteht es, alle
Seiten des mährischen Volkslebens, die dunklen wie die lichten, in packender Darstellung
vorznführen, so daß man dabei die Schwächen der Composilion leicht übersieht; leider tritt
in den neueren Werken der Moralist und Priester zum Nachtheil des Künstlers allzusehr
in den Vordergrund. Frau Straneckä (die Gemalin des Landesgerichtsrathes Kürschner
in Brünn) kennzeichnet seltene Innigkeit des Gefühls, vortreffliche Charakterzeichnung,
Eleganz der Form; Frau Preisovä sagen mehr schärfere psychologische Probleme,
leidenschaftliche Naturen, feurigere Farben zu; alles dies bietet ihr der mährische Slovakeu-
stamm in reichlichem Maße. Überhaupt bietet das mährische Volksleben und die grund
verschiedene Individualität der einzelnen Stämme den von Jahr zu Jahr sich mehrenden
Vertretern der Belletristik einen geradezu unerschöpflichen Born für psychologische Analysen
und anziehende Darstellungen typischer Eigenschaften und Gestalten. Einige fordern zu
humoristischen Schilderungen geradezu heraus: so die wohlhabenden gemächlichen
Hannaken (A. H. Sokol, Otakar Bystrina, B. Kren, Späcil-Zerauovsky), andere stimmen
in Folge ihrer socialen Decadenz das Gemüth elegisch, wie die Walachen (Slaviclnsky).
Einen interessanten Versuch machte Dr. Jan Herben in seiner groß angelegten Erzählung
Do trstilro o. ölvrtölro polcolsnl (Bis in die dritte und vierte Generation), indem er das
slovakische Leben in seinem Geburtsorte Brnmovitz und dessen Umkreise seit den Zeiten
Josefs II. bis in die Neuzeit hinein mit folkloristischer Färbung, kraftvoll und lebendig
schildert. Die Gebrüder Mrstik vertreten talentvoll die naturalistische Richtung bei uns
und analysiren die Seele ihrer mährischen Helden in ihren geheimsten Regungen, hierin
russischen Mustern folgend, denen schon Josef Vecera in seinen Novellen den Weg
ebnete. Frau Vlasta Pitnerovä bewegt sich mit Vorliebe in den Saarer Gebirgsorten und
wählt zu ihren Gemälden anmuthige Farben. Mit tiefem Ernst, echtem Mitgefühl und
künstlerischer Gewandtheit versenkt sich Josef Merhaut in das an socialen und nationalen