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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Mähren und Schlesien

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zeigt die Alt-Brünner Kirche, abgesehen von einem späteren Wiederaufbau nach der 
Zerstörung durch die Husiten, zwei Bauperioden und zwei verschiedene Meister. In der 
ersten: den reinen Ziegelbau, beinahe mit Ausschluß von Haustein, was auf den 
Königgrätzer Bau und einen norddeutschen, im Ziegelban erfahrenen Baumeister deutet; 
specicll die südwestliche Partie des Querschiffes mit einer ebenso originellen wie malerischen 
Übersetzung des Stiegenaufgangs und Treppenthürmchens zeigt uns, wie es dieser 
Meister vortrefflich verstand, mit schlichtem Ziegelmateriale und geringen Mitteln die 
höchsten Effecte zu schaffen. Der zweiten Banperiode gehören an: die in Mähren kein 
zweitesmal vorkommende kleeblattartige Choranlage, wodurch noch ein zweites Querschiff 
geschaffen wird, dann der ganze Ost- und der südwestliche Theil der Kirche; man wird 
an Marburg, an St. Maria auf dem Capitol (in Köln) oder an ähnliche Anlagen 
Frankreichs erinnert; die Technik und die Art der Verwendung von Haustein und Ziegel, 
sowie die schönen Fenstermaßwerke, worunter besonders das über dem Kircheneingang 
berühmte rosettenartige auffällt, verweisen auf eine süddeutsche Bauhütte. 
Nochmals soll hier der Jakobskirche in Brünn gedachtwerden, des stattlichsten, 
schönsten, besterhaltenen und einheitlich gestalteten gothischen Kirchenbaues in Mähren, 
wenngleich dessen Vollendung bis 1511, ja selbst noch darüber hinaus sich hinzog; es 
ist eine dreischiffige Hallenkirche mit schönem, kühnem Chorbau (Umgang), dessen Polygon 
seiten je zwei mächtige Fenster aufweisen. Anschließend an dieses Bauwerk sei auch der 
schönen Olmützer Maurizkirche gedacht, welche aber lange nicht so Prächtig und kühn, 
wohl aber von einem ähnlichen Bauschicksal wie St. Jakob begleitet war, da sie erst 
1483 vollendet wurde. Weitere Kirchen sind: die in ihrem Ursprung in diese Zeit fallende, 
ganz aus Pernsteiner Marmor erbaute, durch prächtig profilirte Pfeiler getheilte, 
dreischiffige Hallenkirche zu Daubravnik, dann die 1338 begonnene dreischiffige, 
durch Rundpfeiler getheilte hübsche Nikolaikirche in Znaim, die Pfarrkirche in 
Boskovitz u. s. w. Auch der Bau der in Ruinen liegenden Klosterkirche zu Kanitz 
fällt in die frühlnxemburgische Zeit; die Kirche zeigt schlanke, schöne Verhältnisse, zierliche, 
reiche Ausstattung; der im Verfall befindliche kleine einstöckige Krenzgang daselbst ist 
gleichfalls interessant. 
Der Erwähnung werth sind auch die bei feindlichen Einfällen zum Schutze der 
Bewohner befestigten Ortskirchen, also die durch Wallmauern, Thürme, Wehrgänge, 
unterirdische Verbindungen w. vertheidigungsfähig gemachten Kirchenbnrgen, wie jene 
zu Gnrdan, Saitz, die Wenzelskirche zu Znaim, die Pfarrkirche zu Grvß-Bitesch rc. 
Bemerkenswerth sind ferner die in den Gebirgsgegenden noch in ziemlicher Zahl 
vorkommenden Holzkircheu Mährens; ihre volksthümliche uralte Bauweise ist gewiß 
auf den früher für alle Bauten üblichen und einzigen Holzbau zurnckznfnhren, der in diesen
	        
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