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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Mähren und Schlesien

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Darüber  war  der  ganzen  Thorbreite  nach  ein  reicher  Nischenfries,  aus  dessen  fensterartig
gebildeten  Nischen  einzelne  Figuren  heraus  sahen.  Über  den  höher  hinauf  reichenden
Theil  geben  die  erhaltenen  Zeichnungen  keinen  Aufschluß.
Noch  ein  viel  reicheres  Architekturwerk  dieser  Art,  eine  hervorragende  Leistung  der
Spätgothik,  ist  uns  in  dem  schönen  Brunner  Rathhausportal  vollständig  erhalten;
es  ist  höchst  wahrscheinlich  auch  von  Pilgram  erbaut.  Die  im  Rundbogen  geschlossene  Thoröffnnng
  wird  durch  eine  üppige  Prosilirung  der  Leibung  mächtig  ausgeweitet  und  schließt
mit  einem  Eselsrücken  (Kielbogen)  nach  oben  zu  ab;  aus  dem  Thorprofil  steigen  die
äußersten  Rundstäbe  zu  einem  hohen  Fialenbau  auf,  unter  dessen  unteren  Baldachinen
zwei  Schwert  und  Schild  haltende  Stadtsöldner  stehen,  während  von  dem  Thorbogenschluß ­
  durch  weitere  kielbogenartige  Dnrchschneidnngen  der  Profilleisten  noch  drei  höher
reichende  Fialenaufbauten  losgehen;  zwei  davon  tragen  Rathsherrnfiguren,  die  mittlere,
höher  oben,  die  (barocke)  Figur  der  Justitia.  Interessant  ist  die  Art  der  kreuzblumenartigen ­
  Capitälbildungen,  die  Anordnung  der  Baldachine  und  der  krabbengeschmückten
Riesen,  deren  mittlerer,  höchstreichender,  mehrfach  gekrümmt  und  gewunden  hergestellt
wurde.  Die  Figuren  sind  ausdrucksvoll  und  charakteristisch,  insbesondere  die  zwei
Figuren  der  Rathsherren  recht  lebensvoll  gestaltet.  Die  Justitia  und  das  Wappen
stammen  aus  späterer  Zeit,  letzteres  aus  der  Zeit  Ferdinands  II.,  welcher  der  Stadt  Brünn
ein  verbessertes  Wappen  gegeben  hat.
Die  Gothik  führt  uns  auch  ein  noch  erhaltenes,  in  einem  Schlußstein  angebrachtes
Effectivporträt,  das  des  Baumeisters  der  Olmützer  St.  Manrizkirche  vom  Jahre  1483
vor;  es  ist  ein  Mann  im  besten  Alter  in  der  Kleidung  der  damaligen  Zeit,  mit  lang
herabfallendem  Kopfhaar,  sehr  intelligentem,  ausdrucksvollem  Gesicht;  eine  zweite  Porträtbüste ­
  ist  die  Meister  Pilgrams  von  Brünn  in  der  Wiener  Stefanskirche,  an  welcher  er
von  1506  bis  1511  beschäftigt  war.
Mit  diesen  Porträtbüsten  und  der  Zeit,  aus  welcher  sie  stammen,  finden  wir
den  Übergang  zu  der  Plastik  der  Renaissance,  welche  uns  gleich  bei  ihrem  ersten
Auftreten  in  Mähren  zugleich  auch  zwei  interessante  Porträtmedaillons  gebracht  hat;  es
sind  dies  zwei  bei  dem  Trübauer  Schloßthor  angebrachte  Rundmedaillons,
die  Erbauer  des  Schlosses,  Ladislaus  von  Boskovitz  und  seine  Gemalin  Magdalena
von  Duba  und  Lipa  darstellend;  sie  sind  mit  1495  datirt,  aus  weißem  Stein  gemeißelt,
jetzt  abscheulich  dunkelbraun  gestrichen.  Boskovitz  ist  ein  junger,  hübscher  Mann  mit
Barett  und  Schwungfeder,  in  der  eleganten,  reichen,  ritterlich  höfischen  Kleidung  seiner
Zeit  dargestellt.  Magdalena  hat  ein  reiches  Obergewand,  einen  über  der  Brust  faltig
gelegten  Hemdbesatz  und  ein  zierliches  Häubchen,  von  welchem  der  lange  Schleier  über
Hals  und  Rücken  herabfällt.  Die  Medaillons  zeigen  eine  richtige  Zeichnung,  sorgfältige,
            
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