Bolksstickerei aus Mähreu.
noch der Spitzenklöppelei, welche besonders in früherer Zeit bei der Landbevölkerung
ausgiebige Pflege fand; sie blühte in der Walachei, in der Gegend von Roznau,
Walachisch-Meseritsch und wird zum Theile heute noch geübt; in den Dörfern der
Hanakei wurden Zwirnspitzen geklöppelt. Auch in der Stadt Hotzenplotz in der mährischen
Enklave in Schlesien beschäftigte sie viele fleißige Hände.
Ebenso unbestimmt wie die Grenze zwischen der handwerklichen Thätigkeit der vor
geschichtlichen und geschichtlichen Zeit ist auch die Grenze zwischen Hausindustrie und
eigentlicher, ausgebildeter Kunstindustrie; beide sind scharf von einander geschieden und ihr
Zusammenhang daher schwer erkennbar. Diesem Umstand entspricht es denn auch, daß wir
den Entwicklungsgang der Kunstindustrie Mährens, als eines Mitteleuropa eingercihten
Landes, nicht auf Basis des vorgeschichtlichen und hausindustriellen Schaffens allein
erklären können und dürfen, sondern vielmehr wie in den übrigen Ländern Mitteleuropa's
einen analogen Entwicklungsgang zu verzeichnen haben, der aus den klimatischen Ver
hältnissen, den gesellschaftlichen Zuständen, der staatlichen Stellung und den politischen
Schicksalen des Landes resultirt.
Auch in Mähren lag im Mittelalter die Pflege von Kunst und Handwerk fast
ausschließlich in den Händen der Geistlichkeit, bis sich ihrer im XIII. Jahrhundert mit
dem Erwachen und Entfalten des Bürgerthums, den Städtegründungen, dem Heranziehen
deutscher Colonisten das Laienthnm bemächtigt und in dieser Periode, noch mehr aber in der
folgenden Zeit der Renaissance und ihrer Ausgangsperiode bis ans Ende des XVIII. Jahr
hunderts, hierbei kräftigst auch durch den Adel gefördert, die herrlichsten Blüten zeitigt.
Da wir mit den Anfängen der textilen Kunst in der Hausindustrie begonnen haben,
wollen wir hieran gleich die Textilkunst der geschichtlichen Zeit anschließen. Schon zu
S5*