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Thatsächlich beherbergte die March, bevor sie verunreinigt wurde, über fünfzig
verschiedene Fischarten, von denen besonders der Huchen, die Forelle und Äsche im oberen
Qnellgebiete, die Aalrute in der Strecke zwischen Muglitz und Kremsier, weiter hinab
aber Karpfen, Hechte und Welse in bedeutender Größe und Menge vorkamen. Bei Hochwasser
statteten alljährlich der Stör und Hausen, von der Donau kommend, der March
und Thaya längere Besuche ab; noch in den Dreißiger-Jahren wurden bei den Wehren in
Rabensburg und Göding prächtige Exemplare dieser Süßwasserriesen gefangen.
Der Schill (Zander), der noch heute vorkommt, wurde als der edelste Marchfisch
unterhalb Napagedl in bedeutender Menge gefangen. Es würde weit über den Rahmen
dieser Skizze hinausführen, wollte man des ebenfalls bedeutenden Fischreichthums der
übrigen Flüsse und Bäche gedenken. Man möge sich jedoch an der Hand der nachstehend
angeführten Zahlen selbst vergegenwärtigen, welch riesige Mengen von gutem, nahrhaftem
Fleische durch die Vernichtung des ehedem blühenden Fischreichthums dem Landesconsnm
entzogen worden sind. Berechnet man nämlich das Jahresertrügniß eines Joches Teichflüche
(äußerst gering gerechnet) nur auf einen Centner marktfähiger Fische, so gingen mit dem
Auslassen von 40.000 Joch Teichfläche jährlich 40.000 Centner Teichfische verloren,
und wenn man den ehemaligen Ertrag der Flnßfischerei in ganz Mähren (ebenfalls sehr
niedrig berechnet) gleichfalls mit jährlich 40.000 Centner annimmt, so entbehrt heute
der Landesconsnm das erhebliche Quantum von acht Millionen Pfund guten, edlen
Fleisches. Kein Wunder, wenn bei solchem Ausfall allmälig alle Fleischnahrung sich
entsprechend vertheuerte.
Der von Jahr zu Jahr immer fühlbarer hervortretende Mangel an edlem Fischfleisch
erhöhte schließlich doch in vielen Kreisen die Nachfrage und lenkte die Aufmerksamkeit
maßgebender Behörden und Personen auf die Wiederbelebung der fast zu Grunde
gerichteten Fischerei. Allmälig entstanden Gesellschaften und Vereine, welche unter der
Führung einzelner fachmännisch gebildeter Männer und dem wohlwollenden Schutze der
Behörden und neu geschaffener Gesetze sowohl die Teichwirthschaft als auch die Flußfischerei
mit mehr oder minder großer Ausdauer und Geschick zu heben versuchten. Hinsichtlich der
Teichwirthschaft hat das kleine Nachbarland Schlesien (insbesondere der Teschner Kreis)
Mähren bedeutend überholt, da hier die rationelle Teichwirthschaft noch lange nicht auf
jener Stufe steht, wo sie in Schlesien bereits vor etwa zehn Jahren stand. Dagegen hat
sich in Mähren seit ungefähr zwanzig Jahren das Bestreben bekundet, die Fischerei in
den nahezu entvölkerten Flüssen wieder zu beleben. Fast alle Erfolge, die in dieser Beziehung
in Mähren errungen wurden, sind der seltenen Ausdauer und Begeisterung eines einzelnen
Mannes zu danken, der sich die Hebung der heimischen Fischerei im vollsten Sinne des
Wortes zur Lebensaufgabe gemacht und bis zu seinem Tode treu und unverdrossen,