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Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Mähren und Schlesien

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Die Wollindustrie ist in zahlreichen Orten Mährens, am stärksten aber in Brünn 
vertreten. Diese Stadt ist auch in commercieller Beziehung der maßgebende Platz Österreichs 
für Herrenmodewaare. Es kann jedoch nicht verhehlt werden, daß in den letzten Jahren sich 
die nordböhmische Concurrenz sehr fühlbar gemacht hat. Derselben stehen mit bedeutenden! 
Capitalaufwand in großem Stile eingerichtete und betriebene Fabriken zu Gebote, während 
die Mehrzahl der mährischen Etablisseinents zu den mittelgroßen Fabriken gehört. 
Der Export ist ein namhafter und ein weitverzweigter. Nach dem Orient bedient 
er sich der Vermittlung der außerordentlich wichtigen Confectionsindnstrie, welche 
ihren Hauptsitz in Proßnitz hat. Brünner Modewaare, Tuch und Shawls gehen nach 
Italien, Frankreich, Deutschland, Rumänien, Serbien und dem Orient, Amerika u. a. 
Die mährische Seidenindustrie ist ein expatriirtes Wiener Kind. An Bemühungen, 
die Seidencultur in unserem Kronlande einzuführen, hat es namentlich zur Zeit der 
Herrschaft der josefinischen Wirthschaftspolilik nicht gefehlt. Die mehrfach unternommenen 
Versuche waren in erster Linie auf die Einbürgerung der Seidenraupenzucht gerichtet. 
Nennenswerthen Erfolg hatten sie jedoch nicht. Wenn die Markgrafschaft heute eine auf 
der höchsten Stufe der Leistungsfähigkeit stehende Seidenindustrie besitzt, welche durch 
einen weitverzweigten Export ihre Concurrenzfähigkeit auf dem Weltmärkte darthut, so ist 
dies zunächst auf die Wandlung in den wirthschaftlichen Verhältnissen Wiens, dem einstigen 
Hauptquartier der österreichischen Seidenindustrie, zurückzuführen. Die Entwicklung Wiens 
zur modernen Großstadt hatte die Bedingungen der gewerblichen Production daselbst 
außerordentlich verschoben. Wollte die vaterländische Seidenindustrie überhaupt den 
technischen Fortschritten der Neuzeit, zumal durch Einrichtung der mechanischen Weberei, 
Rechnung tragen, dann war sie, insbesondere im Hinblick auf die Lebensführung der 
Arbeiter, zur Auswanderung aus der Reichshauptstadt genöthigt. Begreiflicherweise suchte 
man jene Gegenden ans, wo eine seit altersher mit der Webekunst vertraute Bevölkerung 
einen Überfluß an geschickten Händen darbot. So ist das einst specifisch wienerische 
Gewerbe des Brillantengrundes in Mähren, vorzüglich in dessen nördlichem Theile, neu 
gekräftigt wieder auferstanden. 
Die Leinenwaarenerzeugung der Markgrafschaft ist uralten Datums. Ur 
sprünglich hausindustriell und handwerksmäßig betrieben, hat sich dieser Erwerbszweig 
im Norden des Landes bereits in früheren Zeiten zu ansehnlicher Bedeutung, auch für den 
auswärtigen Handel entwickelt. Ganz analog liegen die Verhältnisse bei der viel jüngeren 
Baumwollwaarenerzeugung, welche der Leinenindustrie manches Gebiet erfolgreich 
bestritt, heute aber mit der älteren Schwester in vielfacher Beziehung, namentlich insoweit 
beide auf Heimarbeit beruhen, enge verbunden ist. Das Verlagssystem gelangte zu großer 
Blüte und ist in der Weberei noch heute vorherrschend. Nichtsdestoweniger vollzieht sich
	        
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