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die Zuckererzeugung aus inländischen Urproducten durch zehn Jahre von der Entrichtung
der Erwerbsteuer befreit wurde. Die eigentliche dauernde Einführung der Rübenzuckerfabrikation
in Mähren fällt, wenn man von früheren kleineren Gründungen, welche keine
Lebensfähigkeit hatten, absieht, in die Jahre 1836 bis 1837. Damals wurden die noch
heute bestehenden Etablissements zu Raitz, Tisuovitz, Seelovitz, Austerlitz und Napagedl
errichtet. Die größte Bedeutung unter diesen Unternehmungen, eine Bedeutung, welche
weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinausreichte, erlangte die durch den genialen
Franzosen Florent Robert auf dem Erzherzoglich Albrecht'schen Gute zu Seelovitz
erbaute Zuckerfabrik, welche durch lange Zeit die hervorragendste Lehrschule für die Nübeuzuckererzengung
bildete und aus welcher die wichtigsten technischen Erfindungen hervorgegangeu
sind. Unter diese ist namentlich der Verdampf-Apparat, welcher heute noch den
Namen Robert führt und durch welchen erst das Kochen der Zuckersäfte in geschlossenem,
luftverdünntem Raume allgemeine Einführung fand, sowie das von Julius Robert, dem
Sohne Florents, erfundene Diffusions-Verfahren, welches, an Stelle der alten Saftgewinnnng
durch Auspresseu der Rüben, heute allgemein angewendet wird und eine viel
bessere Znckerausbeute gewährt, zu zählen. Der technischen Entwicklung der mährischen
Zuckererzengung kam es außerordentlich zu Statten, daß sie in der Brüuner Maschinenfabrication
verständnißvolle Unterstützung fand, welche das geniale Experiment in die
Alltäglichkeit der industriellen Production umzusetzen wußte.
Dank diesem Umstande und Dank den großen Vortheilen, welche der Landwirthschaft
durch den Rübenbau entstanden, hat sich die Zuckerfabrication in Mähren erfreulich
entwickelt und ist gegenwärtig zu einem der wichtigsten wirtschaftlichen Factoren des
Landes geworden. Bis znm Jahre 1850 wurde nur Rübe verarbeitet, welche von den
Fabriken und herrschaftlichen Ökonomien selbst gebaut worden war; dann wurde aber
auch daran gegangen, den Rübenbau bei den kleineren Grundbesitzern einzuführen. So
schwer dies auch anfänglich erschien, führten doch Belehrung der Bauern, unentgeltliche
Betheilung mit den besten Samensorten, leihweise Überlassung von modernen Culturgeräthen
und Maschinen u. s. w. nach und nach zum Ziele. Heute erstreckt sich der
Zuckerrübenbau in Mähren, mit Ausnahme des nordwestlichsten Theiles, nahezu über
das ganze Land. Er lieferte nach den Erhebungen des k. k. Ackerbau-Ministeriums
im Jahre 1892 in den verschiedenen Theilen der Markgrafschaft die nachstehenden
Erträge:
Fläche
Sudeten-Ausläufer Hektar 7.435
Böhm. mähr. Grenzgebirge „ 73
Ausläufer des böhm. mähr. Grenzgebirges . „ 10.220
Karpathen-Hochland 100
Ertrag
per Hektar 206
174
211
166
im Ganzen
Metercentner 1,53l.350
„ 12 680
„ 2,155.400
„ 16.600