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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Mähren und Schlesien

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Aus  solchen  ländlichen  Festritten  sind  unzweifelhaft  die  städtischen  Wettspiele,  Pfingstschießen,
Königsschießen,  Vogelschießen,  hervorgegangen,  wie  sie  noch  heute  in  Jauernig,  Friedeberg,
Freiwaldau,  Teschen,  Bielitz  und  an  anderen  Orten  in  der  Pfingstwoche  gefeiert  werden.
Ein  bedeutungsvoller  Überrest  des  altheidnischen  Festes  der  Sommersonnenwende
sind  die  „Johannisfeuer".  Am  Abend  vor  dem  St.  Johannistag  (24.  Juni),  der  in  die
Sommersonnenwende  füllt,  werden  auf  Bergeshöhen  Feuer  angezündet.  Sie  sind  von
beträchtlicher  Größe  und  werden  stundenlang  unterhalten.  Herangewachsene  Burschen
bilden  einen  Kreis  um  das  Feuer,  zünden  in  diesem  ihre  pechgetränkten  Besen  an,  welche
sie  das  ganze  Jahr  hindurch  mit  Sorgfalt  gesammelt  haben,  schlagen  mit  denselben  Feuerräder, ­
  werfen  sie  über  sich  in  die  Luft  und  fangen  sie  beim  Herabfallen  geschickt  wieder
auf.  Die  übrig  gebliebenen  Besenstumpfe  werden  ins  Flachsfeld  gesteckt  mit  dem  Rufe:
„Flachs,  heb  dich!"
Auch  an  diese  Zeit  lehnt  sich  mancher  Aberglaube.  Heiratslustige  Mädchen  winden
am  Vorabend  des  Johannistages  einen  Kranz  aus  Quendel  und  anderen  Blumen  und
werfen  ihn  an  irgend  einem  Baume  im  Garten  nach  rückwärts  solange  in  die  Höhe,
bis  er  oben  hängen  bleibt.  So  oft  sie  ihn  vergeblich  hinaufgeworfen  haben,  so  viele  Jahre
bleiben  sie  noch  ledig.  Stirbt  ein  Kind,  so  ißt  die  Mutter  vor  Johanni  keine  Erdbeeren,
damit  dasselbe  im  Himmel  mit  dem  heiligen  Johannes  in  die  Erdbeeren  gehen  könne.
Der  schöne  Volksglaube  vom  Erdbeerenpflücken  der  Kinder  unter  dem  Schutze  des
heiligen  Johannes  und  noch  öfter  der  Mutter  Gottes  scheint  aus  dem  Heidenthum  zu
stammen  und  sich  auf  die  Mutter  Bertha  zu  beziehen.
Ans  der  Fülle  der  auf  die  Landwirthschaft  bezüglichen  Bräuche  im  Lande  seien
folgende  mitgetheilt:  Wenn  der  Wind  stark  durchs  Korn  streicht,  so  daß  er  demselben
nachtheilig  wird,  so  sagt  man:  „Der  Wolf  jagt  das  Korn."  Der  Bauer  bezeichnet  mit
dem  Wolf,  „Kornwolf,"  einen  dem  Getreide  feindlichen  Dämon,  der  die  Ähren  taub
macht.  Die  Vorstellung  von  diesem  Dämon  aber  ist  mit  der  Zeit  zu  solcher  Selbstständigkeit ­
  gelangt,  daß  er,  vom  Getreidefelde  losgelöst,  im  Volksglauben  und  Volksbrauch
und  im  Kinderspiele  rc.  eine  Rolle  spielt.  Ein  uraltes  Spiel  unserer  Kinder  ist  dieses:
ein  Kind  ist  der  Schäfer,  die  anderen  sind  die  Schafe;  eines  lauert  in  einem  Versteck  als
Wolf.  Der  Schäfer,  welcher  in  einer  gewissen  Entfernung  steht,  ruft  ihnen  zu:
Schäfer:  Lammte,  Lammte,  kommt  herein!
Schafe:  Wir  kommen  nicht.
Schäfer:  Warum  denn  nicht?
Schafe:  Der  Wolf  steht  für.
Schäfer:  Wo  steht  er  denn?
Schafe:  Hinter'm  Strauch.
            
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