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Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Mähren und Schlesien

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Anlaß  den  Kopf  mit  einem  langen  weißen  Tuche  bedeckt  und  den  Oberkörper  in  ein
anderes  weißes  Umschlagtuch  (obrus)  nach  Art  eines  Shawls  verhüllt.  Nach  der  Taufe
folgt  der  Taufschmaus.
Die  Hochzeit  wird  mit  vielem  Prunke  gefeiert.  Die  vielen  Förmlichkeiten,  die  vor
der  Abfahrt  des  Brautpaars  in  die  Kirche  sich  abspielen,  der  Hochzeitsschmaus  und  die
Ceremonien,  unter  welchen  der  weinenden  Braut  die  jungfräuliche  Zierde  unter  Klängen
melancholischer  Lieder  vom  Haupt  abgenommen  und  das  Häubchen  zum  erstenmale
aufgesetzt  wird  (c^opoirie,  eopoin),  alles  dies  wird  hier  nicht  ausführlich  geschildert,  da
dieselben  Feierlichkeiten  bis  auf  geringe  Abweichungen  und  Variationen  auch  bei  den
mährischen  Walachen  und  den  galizischen  Polen  üblich  sind.  Nur  kurz  sei  erwähnt,  daß
im  Technischen  der  Bräutigam  am  Hochzeitstage  einen  grünweißen,  der  Brautführer
einen  rothgoldenen  Strauß  aus  künstlichen  Blumen  mit  Flitterwerk  und  Bandschleifen
auf  den  Hut  zu  stecken  pflegen,  während  die  Braut  einen  grünen  Kranz  mit  weißen
künstlichen  Blumen,  die  Brautjungfer  ebenfalls  einen  solchen  Kranz,  jedoch  mit  rothen
Blumen  in  die  Haare  schlingt.
Das  Begräbniß  einer  ledigen  Jazkin  in  Jablunkau  ist  auch  für  einen  Fremden
rührend.  Traurig  und  langsam  bewegt  sich  der  Leichenzug  zum  Friedhof.  Neben  dem
Sarge,  den  Jünglinge  tragen,  schreiten  auf  beiden  Seiten  die  besten  Freundinnen  der
Entschlafenen  mit  brennenden  Kerzen  in  der  Hand.  Ihr  üppiges  Haar  deckt  kein  Trauertüchel
  und  die  an  den  Zöpfen  flatternden  Bänder  wurden  nicht  mit  schwarzen  vertauscht.
Ernst,  mit  gesenktem  Kopfe,  schreiten  die  Mädchen  neben  dem  Sarge  einher,  und  die  Trauer
um  die  verlorene  Genossin  liegt  auf  ihrem  Antlitz  tief  ausgeprägt.  In  derselben  Stadt
herrscht  der  Brauch,  demzufolge  am  Abend  vor  dem  Frohnleichnamsfeste  Musikanten  von
dem  Stadtthurme  aus  lustige  Weisen  spielen,  während  in  Friedeck  noch  vor  60  Jahren
die  Sitte  bestand,  vom  Kuppelthurme  des  Schlosses  unter  Zulauf  einer  großen  Volksmenge
einen  Ziegenbock  herabzuwerfen,  dessen  Fleisch  den  Stadtarmen  zufiel.
Allgemein  verbreitet  sind  aber  folgende  Sitten  und  Bräuche:
Am  Andreasabend  findet  das  „Glückheben"  statt,  indem  insbesondere  die  Mädchen
auf  allerlei  Weise  das  Schicksal  der  Zukunft  befragen.  Am  Vorabend  des  heiligen  Nikolaus
zieht  dieser  Heilige  in  Gesellschaft  des  Teufels  von  Haus  zu  Haus,  beschenkt  die  braven
und  schreckt  die  schlimmen  Kinder.  In  manchen  Ortschaften  besorgen  dies  am  Vorabend  der
heiligen  Barbara  zwei  Weiber  (kardoilc^),  denen  in  ehrfurchtsvoller  Entfernung  ein  Teufel
folgt.  Am  Christabend  wird  den  Kindern,  damit  sie  den  ganzen  Tag  fasten,  das  Erscheinen
eines  goldenen  Kalbes  oder  Schweines  an  der  Wand  oder  durch  den  Kamin  in  Aussicht
gestellt  und  vom  Abendmahl  ein  Theil  für  die  Kühe  aufbehalten,  da  sie  sonst  keine  Milch
geben  möchten;  an  diesen  Abend  sind  übrigens  viele  abergläubische  Anschauungen  geknüpft.
            
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