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Obwohl der Kalender der Sitten nnd Gebränche damit noch lange nicht erschöpft
ist und insbesondere, was den Aberglauben anbelangt, noch viel zu erwähnen wäre,
wenden wir uns nun zu dem Volks Humor.
Brunnen hatt' er gleich beim Tische,
Schöpfte Wasser mit den Netzen,
Mit Heugabeln fing er Fische,
Schoß mit Mohn auf die Spatzen!
So wird ein Unbeholfener geschildert. Von einem Schielenden sagt mau: „Er zieht
Olmütz gegen Troppau", von einem beschränkten Söhnchen: „Dumm wie ein Leisten",
von einem Fröhlichen: „Er steckt in gutem Hemd", von einem Menschen, der nicht
genügenden Umfang besitzt: „Dürr wie die Katze." Der Volkswitz hat für jedes menschliche
Gebrechen einen trefflichen Vergleich: „Er ist gelb wie Wachs, roth wie ein Krebs, blau
wie eine Kornblume, er hält fest wie der lutherische Glaube." Will der slavische Schlesier
ansdrücken, daß irgend jemand eine gute Wahl getroffen habe, so sagt er: „Er hatte ein
schönes Auge." Von der Länge der Zeit heißt es: „Ich sah dich nicht, seit die Wölfe
heulten." Ist die Sache billig, so ist sie „um ein Kopfstück zu haben".
Ein origineller Humor herrscht in den Liedern über Thierhochzeiten; interessant sind
auch die Nachahmungen der Glockenklänge in einzelnen Ortschaften (z. B. die Mühle ruft:
bor, der, der, deutsch: nimm, nimm, nimm), der Stimmen der Vögel, Frösche, die Kinder
spiele und ähnliche.
Auch viele Volkstänze haben sich beiden schlesischen Slaven erhalten, von welchen
wir hier nur einzelne erwähnen wollen: der Kreuztanz (kr^Lnir, auch üac^aü) wird von
vier Paaren getanzt, welche sich voreinander verneigen. Beim „Bettler" erscheint ein
Bursche als Bettler in der Tanzstube ans einen Stab gestützt und bettelt um Almosen,
wobei die Musik eine ernste Weise spielt. Dann reihen sich die Tänzer um den Bettler
und heben unter heiteren Klängen einen Tanz im springenden Schritt an. Beim Auf
hören der Musik übergibt der „Bettler" einem der Tänzer den Stab, worauf sich der
Tanz mit dem neuen „Bettler" wiederholt. Derjenige, der zuletzt „betteln" muß, wird
endlich von der ganzen Gesellschaft weidlich ausgekocht und bildet für den Abend die
Zielscheibe des Spottes. Beim „Komödianten" klatschen die Tänzer bei gewissen Tacten
plötzlich in die Hände, beim „Kalbstanz" (eislecie) wirbeln sie durcheinander, bis sie
wieder in den Kreis kommen. Der „Metzgertanz" (mnsai^sün) ist eine Galoppade. Beim
„korvnl" (Schmied) kniet der Tänzer mit einem Beine vor der Tänzerin nieder, auf das
Knie legt er die geballte linke Faust, mit der rechten schmiedet er aber darauf los, als
schwänge er einen Hammer. Die Tänzerin fächelt niit ihrer Schürze wie mit einem Blase
balg und schaut ihm dabei ins Gesicht. Auf ein schnelleres Tempo der Musik springen