Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Mähren und Schlesien

602

aufgeführt  wurden,  brachte  mau  die  Leichen  von  Selbstmördern,  vor  denen  das  Volk
einen  solchen  Abscheu  hegte,  daß  die  Schlitten  und  Wagen,  auf  welchen  solche  Leichname
zu  Berg  geschafft  wurden,  für  immer  oben  zurückgelasfen  werden  mußten.  Auch  der
Berg  Prasiva,  was  so  viel  wie  Krätzberg  bedeutet,  soll  seinen  Namen  aus  heidnischer
Zeit  tragen.  Damals  sollen  nämlich  die  mit  Krätze  Behafteten  in  die  Waldungen  dieses
Berges  Hinausgetrieben  worden  sein,  um  den  Wölfen  und  wilden  Thieren  zur  Beute
zu  fallen.
Die  meisten  Volkssagen  beziehen  sich  jedoch  auf  den  Bergriesen  der  schlesischen
Beskyden,  auf  die  Lysa  Hora,  welche  schweres  Unheil  in  ihrem  Innern  birgt.  Nach  dem
Volksmnnde  ist  sie  nämlich  mit  Wasser  gefüllt,  welches  hervorstürzen  und  unter  seinen
Wellen  die  ganze  Gegend  mit  ihren  Bewohnern  begraben  wird,  wenn  das  Maß  der
Sünden  voll  sein  wird.  Dieser  Katastrophe  wollte  vielleicht  im  vorigen  Jahrhundert
Graf  Prazma,  der  damalige  Grundherr  von  Friedeck,  Vorbeugen,  indem  er  auf  derLysa  Hora
eine  Kapelle  errichtete  und  das  zum  Bau  derselben  nothwendige  Materiale  angeblich  durch
gefallene  Mädchen  (?ävük)0  aus  den  herrschaftlichen  Maierhöfen  hinanfschaffen  ließ.
Von  der  Lysa  Hora  singt  ein  altes  Lied:
Lysa  Hora,  Lysa  Hora,  schönster  aller  Berge,
Gegen  dich  sind  alle  Höhen  ja  nur  kleine  Zwerge,
Siehst,  was  die  Friedecker  treiben,  wer  dort  lacht  und  wischt,
Holz  zerkleinert,  Wasser  schöpfet,  in  der  Scheuer  drischt.
Ans  diesem  sagenhaften  Berge  verweilte  gerne  Ondrasch  (Sohn  des  Erbrichters
Schebesta  aus  Janovitz  bei  Friedeck)  mit  seinen  Gesellen,  die  sich  um  ihn  schaarten,  um  die
Rache  des  unterdrückten  robotpflichtigen  Volkes  den  Grundherrschaften  fühlen  zu  lassen.
Ondrasch,  eine  Art  schlesischer  Rinaldo,  ist  eine  Lieblingsfignr  des  schlesischen  Landvolkes,
durch  Sage,  Lied,  ja  sogar  durch  einen  Roman  verewigt.  Nach  der  Bewältigung  des
Bauernaufstandes  flüchtete  sich  Ondrasch  mit  seinen  Treuesten  ans  die  Lysa  Hora,  in  deren
dichten  Waldungen  er  sich  sicher  fühlte.  Von  da  aus  überfiel  er  die  benachbarten  und  auch
weit  entlegenen  Schlösser,  vertheilte  das  den  Reichen  Weggenommene  unter  die  Armen  und
verübte  allerlei  übermüthige  Streiche.  Von  einer  Hexe  mit  der  Wnnderhacke  versehen,  blieb
Ondrasch,  trotzdem  gegen  ihn  ein  Regiment  aufgebvten  wurde,  unbesiegbar,  bis  er  mit
derselben  Wnnderhacke  von  seinem  Freunde  Jnrasch  in  der  Schänke  zu  Swiadnow  am
1.  April  1715  aus  Eifersucht  niedergeschlagen  wurde.
Auch  auf  der  Girowa  bei  Jablnnkan  pflegten  die  schlesischen  Räuber  zu  verweilen.
Die  Volkssage  erzählt,  daß  ein  Jude  zu  Landskron  in  Polen  seinen  Ofen,  der  aus  lauter
Ducaten  bestand,  mit  Wachs  überklebte,  damit  man  von  den  Ducaten  nichts  erfahre.
Damals  kamen  die  Räuber  auch  nach  Landskron  über  den  Juden,  und  ärgerlich  darüber,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.