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die in Vergessenheit gerathenen Schätze des Volkes, seine Sagen und Märchen, seine Lieder
und Sprichwörter gesammelt, die Werke der Vorfahren wieder hervorgeholt und ver
öffentlicht. Die Zahl der Arbeiter wächst von Jahr zu Jahr; auf allen Gebieten läßt sich
ein reger Wetteifer und erfreulicher Fortschritt constatiren. Namentlich die Schulliteratur
erfuhr in den letzten vier Decennien eine große Bereicherung. Der fruchtbarste Schriftsteller
auf diesem Felde war der Volksschullehrer Johann Sliwka (1822 bis 1874), welcher
viele treffliche Bücher für den Volksschulunterricht verfaßte und die erste Polnische Lesefibel
in Schlesien herausgab. Unter den Sammlern der geistigen Schätze verdient der Notar
Dr. Andreas Cinciala genannt zu werden. Derselbe veröffentlichte die im Volke
traditionell vererbten Sprichwörter, aus denen treffliche Gedanken, kernige Weisheit, derber
Humor und Witz hervorklingen, und gab auch eine Sammlung der schlesischen Volkslieder
zumeist erotischen Inhalts heraus, welche trotz der ungelenken Verse und Reime tiefes
Gefühl verrathen. Auch in der Publizistik, deren Begründer Dr. Ludwig Klucki und
Paul Stalmach (1824 bis 1891) waren, ist ein Aufschwung wahrnehmbar. Während
Schlesien bis zum Jahre 1848 keine polnische Zeitung aufznweisen hatte, erscheinen
gegenwärtig in Teschen mehrere politische, landwirthschaftliche und kirchliche Wochenblätter
und eine pädagogische Monatsschrift in polnischer Sprache.
Den ersten Platz unter den Schriftstellern, welche in Schlesien das Licht der
Welt erblickten, nimmt aber unstreitig Waclaw Alexander Maciejowski ein.
Geboren den 10. September 1792 in dem Dorfe Tierlitzko (Cierlicko) bei Teschen, verlor
er im zarten Kindesalter seine Eltern, die einst begütert, durch unglückliche Verhältnisse
Hab und Gut eingebüßt hatten. Des verwaisten Knaben nahm sich sein älterer Bruder
Josef an, der ihm die sorgfältigste Erziehung angedeihen ließ. Maciejowski erhielt seine
Ausbildung an den Universitäten zu Krakau. Breslau, Berlin und Göttingen, wo er
sich mit besonderer Vorliebe dem Studium der Alterthumskunde und der Rechts
wissenschaften widmete. Im Jahre 1818 zum Lehrer der alten Sprachen an das Lyceum
zu Warschau berufen, im folgenden Jahre zum Professor des römischen Rechts an der
daselbst neu errichteten Universität ernannt, wirkte er in dieser Eigenschaft bis zum
Jahre 1830, fungirte dann als Tribunalrichter beim Civilgericht und beschloß seine Lehr-
thätigkeit als Professor der alten Literatur an der geistlichen römisch-katholischen Akademie
zu Warschau. In den Ruhestand versetzt, widmete er sich ganz der literarischen Thätigkeit,
der er durch den Tod ani 10. Februar 1883 entrissen wurde. Maciejowski gehört zu den
bedeutendsten Forschern auf dem Gebiete der slavischen Rcchtsalterthümer.
Was den Dialect der schlesischen Polen betrifft, denen schon Adam Gdacius
(gestorben 1688) wegen ihrer incorrecten Schreibweise den Beinamen „Wasserpolen"
beilegt, so ist derselbe eine Frucht der historischen Entwicklung. Trotz des gemeinsamen