MAK

Full text: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Mähren und Schlesien

678 
Es entstanden überall, hauptsächlich aber in dem cnlturell rascher fortgeschrittenen west 
lichen Theile Schlesiens zahlreiche kleine Brettmühlen, Holzschleifereien, Wald- und 
Hüttenköhlereien, Holznägel-, Holzspan- und Dachschindelindnstrien, welchen in neuerer 
Zeit auch in Ostschlesien, wo ein ausgebreitetes Eisenbahnnetz und die billige Mineralkohle 
hiefür günstige Vorbedingungen schufen, mehrere große fabriksmäßig eingerichtete Dampf 
sägewerke, Cellulosefabriken, Bautischlereien, Holzdestillationen, Holzimprägniranstalten 
und Möbelfabriken folgten. 
Während das Breun- und Kohlholz, ein großer Theil des Grubenholzes und etwa 
ein Drittheil des Bauholzes und des Schnittmateriales im Lande Verwendung finden, 
werden ungefähr zwei Drittel der Schnittmaterialproduction, etwas Grubenholz, der 
weitaus größte Theil der Holzstofffabrikate, die Endproducte der Holzdestillation und die 
meisten Möbelstücke aus gebogenem Holz exportirt. Der Rundholzexport ist daher ein 
geringer, der Export von Halb- und Ganzfabrikaten aus Holz dagegen ein bedeutender. 
Die Ausfuhr bewegt sich naturgemäß hauptsächlich nach Ost- und Nord-Deutschland. 
Feinere Fichtenschnittmaterialien werden selbst bis nach Nord-West-Deutschland, Holland, 
Belgien und Frankreich, Holzstoff und Möbel aus gebogenem Holz fast nach allen 
europäischen und häufig auch nach überseeischen Staaten exportirt. 
In Bezug auf den Holztransport liegen die Verhältnisse in Schlesien günstig. Zahl 
reiche wohlgepflegte öffentliche und Privatstraßen führen nach allen Richtungen bis in 
das Herz der Forste und verbinden dieselben mit dem gut entwickelten Eisenbahnnetz. Der 
Transport des Holzes von den Berglehnen zu den Thalstraßen erfolgt zumeist im Winter 
bei Schneebahn auf den sogenannten „Zieh- oder Rückungswegen". Das schwerere Nutz- 
und Klotzholz wird mit Gespannen, das Brennholz vornehmlich mittelst Handschlitten 
„gerückt". Tausende von Holzschlägern, welche während der Sommerszeit mit der 
Erzeugung und Zurichtung der Forstproducte beschäftigt sind, finden im Winter lohnenden 
Erwerb beim Holzrückungsgeschäfte. Wiewohl die Holzrückung im Winter auf steilen 
Berglehnen, über welche der „Rücker" mit seinem schwer beladenen Handschlitten 
hinuntersaust, eine schwere und gefahrvolle Arbeit ist, so wird diese Arbeit doch von dem 
schlesischen Gebirgsbewohner gerne geleistet, weil sie ihm in der sonst verdienstlosen 
langen Winterperiode guten Erwerb sichert. 
Der Wassertransport beschränkt sich in Schlesien auf das Triften von Scheitholz. 
In früherer Zeit war diese Transportmethode in den schlesischen Gebirgen ziemlich 
allgemein und wurden auch die nothwendigen Triftbauten, als: Klausen, Rechen, Wehren, 
Kanäle rc. errichtet und in Stand gehalten. In dem Maße, als die Straßenbauten 
vervollständigt und die frühere Bedeutung der Brennholzwirthschaft in den Hintergrund 
gedrängt wurde, verlor auch diese Holztransportmethode ihre einstige Wichtigkeit und
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.